AI Builder Credits laufen aus: was Power-Automate-Nutzer bis November 2026 klären müssen
Microsoft entfernt am 1. November 2026 die in Power-Automate-Lizenzen enthaltenen AI Builder Credits. Was das kostet und was Sie jetzt prüfen sollten.

Wenn in Ihrem Power-Automate-Flow eine Eingangsrechnung ausgelesen oder ein Freitext klassifiziert wird, bezahlen Sie das heute mit AI Builder Credits. Diese Währung schafft Microsoft ab. Zum 1. November 2026 verschwinden die AI Builder Credits, die in Lizenzen wie Power Automate Premium enthalten sind, ersatzlos aus dem Lizenzumfang.
Die Frist ist kein Gerücht aus einem Forum. Microsoft hat das Ende im Oktober 2025 angekündigt und führt seitdem einen datierten Kalender in der offiziellen Dokumentation, nachzulesen unter End of AI Builder credits. Wer bis dahin nichts klärt, erlebt keinen Knall, sondern ein stilles Blockieren: Sobald weder AI Builder Credits noch Copilot Credits im Environment liegen, brechen die betroffenen Aktionen mit Meldungen wie NoCapacity oder EntitlementNotAvailable ab. Der Rest des Flows läuft weiter, nur die KI-Schritte nicht.
Was ändert sich zum 1. November 2026 genau?
Am 1. November 2026 entfernt Microsoft die in Premium-Lizenzen enthaltenen AI Builder Credits und beendet gleichzeitig die Verlängerbarkeit der AI-Builder-Kapazitäts-Add-ons. Die Funktionen selbst bleiben bestehen, nur die Abrechnungswährung wechselt auf Copilot Credits.
Der offizielle Kalender kennt zwei Stichtage, und der erste liegt bereits hinter uns:
- Seit 1. November 2025: Neukunden können keine AI-Builder-Kapazitäts-Add-ons mehr kaufen, AI-Builder-Testversionen wurden gestrichen. Seitdem gilt ein Zwei-Währungs-Modell: In Power Apps und Power Automate werden zuerst AI Builder Credits verbraucht, danach ersatzweise Copilot Credits.
- Am 1. November 2026, Seeded Credits: Die in Premium-Lizenzen enthaltenen AI Builder Credits werden entfernt. Das betrifft laut Microsoft ausdrücklich alle Neu- und Bestandskunden, auch solche mit Enterprise Agreement.
- Am 1. November 2026, Add-ons: Bestehende Add-on-Kunden können ihre Kapazitätspakete weder verlängern noch neue kaufen.
- Nach dem 1. November 2026: Wer noch aktive AI-Builder-Add-ons hält, darf deren Credits bis zum Vertragsende weiterverbrauchen. Das ist die einzige Restlaufzeit, die es gibt.
- Verträge vor dem 1. November 2025: Microsoft erklärt, bestehende Zusagen für die volle Vertragslaufzeit zu ehren. Wenn Ihr Vertrag vor diesem Datum begonnen hat, prüfen Sie das schriftlich gegen Ihren Lizenzvertrag, nicht gegen die allgemeine Dokumentationsseite.
Wie viele AI Builder Credits stecken in Ihrer Lizenz?
Eine Power-Automate-Premium-Lizenz enthält derzeit 5.000 AI Builder Credits pro Monat, gedeckelt auf maximal 1 Million Credits pro Tenant. Genau diese Kontingente fallen im November 2026 weg. Die vollständige Aufstellung führt Microsoft in der Dokumentation zum Credit-Management:
- Power Automate Premium und Power Automate Process: je 5.000 Credits pro Monat.
- Power Automate Hosted RPA und Unattended RPA Add-on: je 5.000 Credits pro Monat.
- Power Apps Premium: 500 Credits pro Monat, Power Apps per App 250 Credits.
- Dynamics 365 Finance & Operations: 20.000 Credits pro Monat, hier gedeckelt auf 20.000 pro Tenant.
- AI-Builder-Add-on (Tier 1 bis 3): 1 Million Credits pro Monat. Das ist die einzige Quelle, die den Stichtag überlebt, und auch nur bis zum Vertragsende.
Diese Zahlen wirken größer, als sie sind. Die Belegs- und Rechnungsanalyse kostet 32 Credits pro Seite, das eigene Custom Document Processing 100 Credits pro Seite. Fünf Power-Automate-Premium-Lizenzen ergeben 25.000 Credits im Monat, also rund 780 analysierte Belegseiten oder 250 Seiten über ein eigenes Dokumentenmodell. Nicht verbrauchte Credits verfallen zum Monatsersten, sie werden nicht übertragen. Für die Praxis heißt das: Viele Betriebe, die den Rechnungseingang automatisiert haben, sind heute unbemerkt vollständig von diesen mitgelieferten Credits abhängig, ohne je ein Add-on gekauft zu haben.
Wird die Umstellung auf Copilot Credits teurer?
Das hängt vom eingesetzten Modell ab, und die pauschale Antwort „alles wird teurer" ist falsch. Ein Vergleich der Raten aus der AI Builder Capability Rate Table, gerechnet mit dem Listenpreis von 0,01 US-Dollar je Copilot Credit gegen den Tier-1-Add-on-Preis von 500 US-Dollar pro Million AI Builder Credits:
- Rechnungs- und Belegerkennung: 32 AI Builder Credits pro Seite entsprechen rund 0,016 US-Dollar. Über Copilot Credits sind es 8 Credits, also 0,08 US-Dollar. Das ist der fünffache Preis.
- Custom Document Processing: 100 AI Builder Credits pro Seite, rund 0,05 US-Dollar, gegenüber 8 Copilot Credits, also 0,08 US-Dollar. Etwa 60 Prozent teurer.
- Texterkennung per OCR: 3 AI Builder Credits pro Seite, rund 0,0015 US-Dollar, gegenüber 0,1 Copilot Credits, also 0,001 US-Dollar. Hier wird es günstiger.
Eine automatische Umrechnung von AI Builder Credits in Copilot Credits gibt es nicht. Microsoft schreibt dazu unmissverständlich, dass es weder eine Konvertierung des Guthabens noch einen festen Umrechnungskurs gibt. Wer weiterarbeiten will, kauft Copilot Credits neu ein.
Was sollten Sie bis November 2026 klären?
Der wichtigste Schritt ist die Bestandsaufnahme, und die kostet nichts: Sie müssen wissen, ob Ihre Flows überhaupt AI-Builder-Aktionen enthalten, bevor Sie über Budget reden. In unseren Power-Platform-Projekten gehen wir dabei in dieser Reihenfolge vor:
- Verbrauch messen, nicht schätzen: Im Power Platform Admin Center unter Ressourcen und Kapazität den AI-Builder-Verbrauchsbericht als Excel-Datei ziehen. Er zeigt den tatsächlichen Verbrauch der letzten 30 Tage je Umgebung und Tag.
- Betroffene Flows identifizieren: Nur Flows und Apps mit echten AI-Builder-Aktionen sind betroffen. Ein reiner Genehmigungs- oder Benachrichtigungs-Flow ohne KI-Schritt bleibt unberührt.
- Vertragsstichtag prüfen: Hat Ihr Lizenzvertrag vor dem 1. November 2025 begonnen, gelten die zugesagten Kontingente laut Microsoft bis Vertragsende. Das kann Ihnen Monate verschaffen. Klären Sie es mit Ihrem Lizenzpartner schriftlich.
- Alternativen ehrlich rechnen: Bei hohen Belegvolumen kann Azure AI Document Intelligence günstiger sein als Copilot Credits. Das ist eine Rechenaufgabe pro Anwendungsfall, keine Grundsatzentscheidung.
- Governance mitnehmen: Copilot Credits lassen sich im Admin Center je Umgebung zuweisen. Ohne Zuweisungsregeln verbraucht die erste Testumgebung das Budget der Produktion.
Wenn Sie ohnehin gerade Ihre Microsoft-Lizenzkosten sortieren: Die verwandten Stolperfallen bei Premium-Connectors in Power Automate, beim Dataverse-Speicher in Power-Apps-Projekten und im Copilot-Lizenzdschungel 2026 haben wir getrennt aufgeschrieben. Die vier Themen treffen oft denselben Betrieb gleichzeitig, gehören aber zu unterschiedlichen Rechnungen.
Häufige Fragen zu AI Builder Credits
Hören AI-Builder-Funktionen im November 2026 auf zu funktionieren?
Nein. Microsoft betont, dass der Wegfall der Credits die AI-Builder-Funktionen selbst nicht berührt, sie werden weiter unterstützt und laufen dann über Copilot Credits. Blockiert wird eine Aktion erst, wenn im Environment weder AI Builder Credits noch Copilot Credits verfügbar sind.
Werden meine übrigen AI Builder Credits in Copilot Credits umgewandelt?
Nein. Es gibt weder eine automatische Konvertierung noch einen offiziellen Umrechnungskurs. Nach dem 1. November 2026 sind die aus Lizenzen mitgelieferten Credits schlicht weg. Um weiterzuarbeiten, müssen Copilot Credits gekauft werden.
Ich habe ein AI-Builder-Add-on gekauft. Bin ich auch betroffen?
Teilweise. Ab dem 1. November 2026 können Sie das Add-on weder verlängern noch aufstocken. Die Credits eines noch aktiven Add-ons dürfen Sie aber bis zum Ende der Vertragslaufzeit weiter verbrauchen. Danach ist auch dieser Weg zu.
Kostet das Trainieren eigener Modelle Credits?
Nein. Das Erstellen und Testen von Modellen und Prompts verbraucht laut Microsoft weder AI Builder Credits noch Copilot Credits. Erst das produktive Ausführen in einem Flow, einer App oder einem Agenten kostet Kapazität.
Wie finde ich heraus, wie viele Credits wir aktuell verbrauchen?
Über den AI-Builder-Verbrauchsbericht im Power Platform Admin Center unter Ressourcen und Kapazität. Er liefert eine Excel-Datei mit dem Verbrauch der letzten 30 Tage je Umgebung, Tag und Nutzer. Die Berechnung kann bis zu fünf Tage nachlaufen.
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