SAP Business One Web Client: was der Umstieg vom Windows-Client bedeutet

Was der SAP Business One Web Client technisch braucht, wie er sich vom Windows-Client unterscheidet und was beim Umstieg an Add-ons zu prüfen ist.

Handgezeichnete Skizze: Ein Browserfenster mit einem Mauszeiger im Inneren

Der SAP Business One Web Client ist die browserbasierte Alternative zum klassischen Windows-Client. Laut SAP Help Portal läuft er sowohl auf einer MS-SQL-Server- als auch auf einer SAP-HANA-Datenbank und bildet dieselbe Kerngeschäftslogik von SAP Business One ab, allerdings in einer neuen Bedienoberfläche im SAP-Fiori-Design. Technisch setzt der Web Client zwingend eine installierte und in der System Landscape Directory registrierte Service Layer voraus, läuft standardmäßig über Port 443 und unterstützt als Browser Mozilla Firefox, Google Chrome sowie Apple Safari auf Mac und iPad. Wer umsteigt, sollte vor allem zwei Dinge vorher prüfen: ob vorhandene Erweiterungen im neuen Modell weiterlaufen, und welche Prozesse künftig über die Service Layer automatisiert werden sollen. Stand: August 2026.

Was braucht der Web Client technisch, bevor er läuft?

Der Web Client setzt laut SAP Business One Administrator's Guide zwingend eine installierte Service Layer mit gültiger Registrierung in der System Landscape Directory (SLD) voraus. Für die Installation wird zudem Windows PowerShell 5 oder höher auf der Zielmaschine benötigt, und wer die Reporting-Funktionen oder die Microsoft-365-Integration im Web Client nutzen will, muss zusätzlich den Job Service installieren. Die Installation selbst läuft über den ComponentsWizard: Feature Web Client auswählen, Netzwerkadresse und Sicherheitszertifikat festlegen, den Landscape-Server verbinden und einen Port bestimmen, standardmäßig 443. Der Zugriff erfolgt anschließend über eine URL nach dem Muster Servername oder IP-Adresse, gefolgt vom gewählten Port. Ein Punkt, der in der Praxis öfter für Verwirrung sorgt: Der Web Client startet nach einem Windows-Server-Neustart nicht automatisch neu, sondern muss manuell neu gestartet werden.

Läuft die Oberfläche im Browser genauso wie im Windows-Client?

Die Kernprozesse sind dieselben, aber die Oberfläche ist neu gebaut. Laut User Guide for SAP Business One, Web Client basiert der Web Client auf dem SAP-Fiori-Designkonzept mit einer kachelbasierten Startseite, von der aus Module wie Verkauf, Einkauf, Geschäftspartner, Zahlungen, Lagerhaltung, Produktion, Buchhaltung, Service und Personalwesen erreichbar sind. Für den Web-Client-Betrieb empfiehlt SAP explizit Google Chrome oder Mozilla Firefox als Standardbrowser, in Windows-Domänen idealerweise zentral per Gruppenrichtlinie gesetzt. Einzelne Funktionen unterscheiden sich je nach Länderversion: Die Dokumentation weist an mehreren Stellen darauf hin, dass bestimmte Felder oder Belegarten in einzelnen Lokalisierungen wie Indien, Brasilien oder China nicht verfügbar sind. Vor dem Umstieg lohnt sich deshalb ein Abgleich mit der eigenen Länderversion.

Laufen bestehende Add-ons und Erweiterungen im Web Client weiter?

Nicht automatisch. Der Web Client bringt ein eigenes Erweiterungsmodell mit: Tile Links und Extensions, die auf Technologien wie SAPUI5, React, Vue oder Angular basieren und über die Service Layer sowie eine eigene Web-Client-UI-API angebunden werden. Diese Erweiterungen erscheinen als neue Kacheln im Fiori Launch Pad, das ist etwas grundsätzlich anderes als klassische Add-ons für den Windows-Client. Ein bestehendes Add-on wandert deshalb nicht automatisch mit, sondern muss separat bewertet werden. Wie real dieses Thema in der Praxis ist, zeigen Meldungen aus der SAP-Community: Anwender berichten dort von Fehlermeldungen wie "Add-on is not compatible with current platform", ausgelöst durch eine falsche Architektur zwischen Add-on und SAP-Business-One-Client. Ein Grund mehr, jede Erweiterung vor dem Umstieg einzeln zu prüfen, statt Funktionsgleichheit vorauszusetzen.

Welche Rolle spielt die Service Layer beim Umstieg?

Die Service Layer ist laut SAP Help Portal der zentrale Backend-Datendienst, über den der Web Client, seine Erweiterungen und die SAP-Business-One-App für Microsoft Teams laufen. Wer im Zuge des Umstiegs auch Automatisierung einführen will, etwa Belegdaten zwischen SAP Business One und anderen Systemen austauschen, baut technisch auf derselben Service Layer auf, die schon der Web Client nutzt. Aus Sicherheitsgründen sollte laut Dokumentation sichergestellt sein, dass das Zertifikat der Service Layer in der eigenen Organisation als vertrauenswürdig hinterlegt ist, das gilt für den Web Client selbst genauso wie für die Teams-Integration oder externe Automatisierungs-Workflows. Wie sich SAP Business One über die Service Layer, OData oder RFC-Middleware technisch anbinden lässt, haben wir in einem separaten Beitrag beschrieben. Wenn Sie im Zuge des Umstiegs auch Automatisierungs-Workflows rund um SAP Business One aufbauen wollen, unterstützen wir Sie dabei im Rahmen unserer Automatisierungsberatung.

Häufige Fragen zu SAP Business One Web Client

Ist der Web Client ein vollwertiger Ersatz für den Windows-Client?

Für die meisten Kernprozesse ja: Verkauf, Einkauf, Geschäftspartner, Zahlungen, Lagerhaltung, Produktion, Buchhaltung und Service sind laut User Guide im Web Client abgebildet. Einzelne Felder und Belegarten unterscheiden sich jedoch je nach Länderversion, und nicht jede Windows-Client-Erweiterung läuft automatisch mit. Ein vollständiger Umstieg lohnt sich deshalb erst nach einem Funktions- und Add-on-Check für die eigene Installation.

Was ist die Service Layer, und warum brauche ich sie für den Web Client?

Die Service Layer ist der Backend-Datendienst, auf dem der Web Client technisch aufsetzt. Ohne installierte und in der SLD registrierte Service Layer lässt sich der Web Client laut Administrator's Guide gar nicht erst installieren. Dieselbe Service Layer wird auch für Erweiterungen, die Teams-Integration und externe Automatisierung genutzt.

Muss ich meine bestehenden Add-ons für den Web Client neu bauen?

Wahrscheinlich ja, wenn sie klassisch für den Windows-Client entwickelt wurden. Der Web Client nutzt ein eigenes Erweiterungsmodell auf Basis von SAPUI5, React, Vue oder Angular. Prüfen Sie deshalb vor dem Umstieg jede geschäftskritische Erweiterung einzeln, statt automatische Kompatibilität vorauszusetzen.

Kann ich den Web Client auch in Microsoft Teams nutzen?

Ja, über die SAP-Business-One-App für Microsoft Teams, die laut User Guide ab Version 10.0 FP 2111 für On-Premise-Installationen verfügbar ist. Vorausgesetzt werden ein vertrauenswürdiges Zertifikat für Web Client und Service Layer sowie ein Microsoft-Teams-Admin-Konto für die Installation der App.

Simon Glowik, Gründer von NordFlux
Über den Autor

Gründer von NordFlux. Sieben Jahre Erfahrung von Web und SEO bis zur Automatisierung im Konzern-Maßstab, heute pragmatisch für den Mittelstand und mit deutscher Datenhoheit.

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  • Microsoft zertifiziert — PL-900 und AZ-900
  • UiPath zertifiziert — Automation Developer Associate
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