Power Automate Aktionslimits 6.000, 40.000 und 250.000 erklärt
Die drei Power-Automate-Aktionslimits 6.000, 40.000 und 250.000 pro Tag erklärt: welche Lizenz welches Limit bringt.
Wer in Power Automate mit mehreren Lizenzen arbeitet, stolpert früher oder später über die Zahlen 6.000, 40.000 und 250.000. Sie tauchen als Warnhinweis auf, wenn ein Flow gedrosselt wird, oder sie stehen in einer Lizenztabelle, ohne dass sofort klar ist, welches Limit für den eigenen Flow überhaupt gilt. Die drei Werte sind keine willkürlichen Schwellen, sondern die täglichen Aktionslimits der drei zentralen Power-Automate-Lizenzebenen: Standard, Premium und Process.
Dieser Artikel ordnet die drei Limits den passenden Lizenztypen zu, erklärt, wonach sich richtet, welches Limit für einen konkreten Flow zählt, und zeigt, was bei einer Überschreitung passiert. Grundlage sind die offizielle Power-Platform-Dokumentation zu Anforderungslimits und die Power-Automate-Lizenzierungs-FAQ von Microsoft.
Was zählt überhaupt als Aktion?
Bevor die drei Grenzwerte Sinn ergeben, lohnt sich der Blick auf die Zähleinheit dahinter. Power Automate zählt laut Microsoft-Dokumentation zu Anforderungslimits jede API-Anfrage an Connectors, jede HTTP-Aktion und jede integrierte Aktion, von der einfachen Initialisierung einer Variable bis zur Compose-Aktion. Dabei gilt:
- Sowohl erfolgreiche als auch fehlgeschlagene Aktionen zählen zum Limit.
- Wiederholungsversuche (Retries) und zusätzliche Anfragen durch Paginierung zählen ebenfalls als eigene Aktionen.
- Läuft eine Aktion innerhalb einer Schleife wie "Apply to each", zählt sie einmal pro Durchlauf. Eine Schleife mit 500 Elementen erzeugt also 500 Aktionen für genau diesen Schritt.
- Übersprungene Aktionen zählen nicht mit.
Ein einfacher Flow mit einem Trigger und einer Aktion verbraucht schon zwei Aktionen pro Ausführung. Bei Flows mit Schleifen oder häufigen Ausführungen wächst der Verbrauch entsprechend schnell.
Die drei Aktionslimits im Überblick
Alle drei Limits gelten pro 24 Stunden und laufen als gleitendes Fenster. Das System schaut also bei jeder Ausführung auf die letzten 24 Stunden zurück, nicht auf den Kalendertag.
- 6.000 Aktionen pro Tag: Standard- und Einstiegslizenzen
- 40.000 Aktionen pro Tag: Premium-Lizenzen und Dynamics 365 Enterprise/Professional
- 250.000 Aktionen pro Tag: Process-Lizenz, pro Flow zuweisbar und stapelbar
6.000 Aktionen: das Standard-Limit
Das niedrigste Limit gilt für alle Lizenzkontexte ohne Premium-Berechtigung. Laut der Power-Automate-Lizenzierungs-FAQ fallen darunter:
- Power Automate Free
- Microsoft 365 und Office 365 Lizenzen
- Power Apps Per App und Power Apps Plan 1 (Legacy)
- Power Automate Plan 1 (Legacy)
- Dynamics 365 Team Member
- alle Testversionen (Trials)
Für einfache persönliche Automatisierungen reicht das meistens aus. Sobald mehrere Flows regelmäßig laufen oder Schleifen größere Datenmengen verarbeiten, ist das Limit aber schnell erreicht.
40.000 Aktionen: Premium und Dynamics 365
Wer eine Power-Automate-Premium- oder eine Power-Apps-Premium-Lizenz besitzt, bekommt das mittlere Limit von 40.000 Aktionen pro Tag. Dazu gehören außerdem Dynamics 365 Enterprise und Dynamics 365 Professional sowie der ältere Power-Automate-Per-User-Plan. Wichtig dabei: Dieses Limit gilt pro Benutzer über alle Cloud-Flows des Tenants hinweg, nicht pro einzelnem Flow. Zwei Premium-Nutzer im selben Tenant haben also jeweils ihre eigenen 40.000 Aktionen, die sich nicht gegenseitig beeinflussen.
250.000 Aktionen: die Process-Lizenz für Kernprozesse
Das höchste Standardlimit gehört zur Process-Lizenz, dem Nachfolger der älteren Per-Flow-Pläne. Anders als die beiden vorherigen Limits ist es nicht an einen Benutzer gebunden, sondern an einen konkreten Cloud-Flow: Ist einem Flow eine Process-Lizenz zugewiesen, gilt dieses Limit für den Flow selbst sowie für seine untergeordneten und zugehörigen Flows, unabhängig davon, wer sie ausführt.
Reichen 250.000 Aktionen für einen einzelnen, sehr datenintensiven Flow nicht aus, lässt sich laut FAQ nachlegen:
- Bis zu 10 Process-Lizenzen können auf einen einzigen Cloud-Flow gestapelt werden.
- Jede zusätzliche Lizenz addiert weitere 250.000 Aktionen pro Tag, in Summe also bis zu 2.500.000 Aktionen täglich.
- Voraussetzung ist, dass der Flow Teil einer Lösung ist, bevor die Process-Lizenz zugewiesen werden kann.
Welches Limit gilt für meinen konkreten Flow?
Die drei Limits addieren sich nicht. Jeder Flow läuft in genau einem Lizenzkontext, und dieser Kontext bestimmt das Limit:
- Automatisierte und geplante Flows verwenden den Lizenzkontext des Flow-Besitzers.
- Instant Flows (Schaltfläche, Power Apps) verwenden den Lizenzkontext des aufrufenden Benutzers.
- Hat ein Flow eine Process-Lizenz zugewiesen, gewinnt diese immer, unabhängig davon, welche Lizenz der Besitzer sonst hat.
Besitzt eine Person sowohl eine Dynamics-365- als auch eine Premium-Lizenz, addieren sich die beiden 40.000er-Limits laut Microsoft ausdrücklich nicht zu 80.000. Jeder Flow-Kontext bekommt sein eigenes Limit, unabhängig von anderen Lizenzen derselben Person.
Was passiert bei Überschreitung?
Wird ein Limit überschritten, blockiert Power Automate den Flow nicht sofort. Gelegentliche, kleine Überschreitungen wirken sich kaum aus, verzögern nachfolgende Aktionen aber zunehmend, je größer die Überschreitung ausfällt. Bleibt ein Flow durchgehend 14 Tage über dem Limit, deaktiviert Power Automate ihn und benachrichtigt den Besitzer. Als Gegenmaßnahmen empfiehlt Microsoft, die Anzahl der Aktionen im Flow-Design zu reduzieren, bei dauerhaft hohem Bedarf eine Process-Lizenz zuzuweisen oder die Umgebung auf nutzungsbasierte Bezahlung umzustellen, sodass Überschreitungen einfach zusätzlich abgerechnet statt gedrosselt werden. So behältst Du die Kontrolle über Deine Flows, auch wenn ein Prozess einmal stärker wächst als geplant.
Häufige Fragen
Zählen fehlgeschlagene Aktionen zum Limit?
Ja. Sowohl erfolgreiche als auch fehlgeschlagene Aktionen zählen zum täglichen Limit, ebenso Wiederholungsversuche und zusätzliche Anfragen durch Paginierung. Nur übersprungene Aktionen werden nicht mitgezählt.
Addieren sich mehrere Lizenzen zu einem höheren Limit?
Nein, nicht automatisch. Aktionslimits gelten pro Lizenzkontext, nicht pro Person insgesamt. Hat jemand zum Beispiel eine Dynamics-365- und eine Premium-Lizenz, bekommt jeder Flow-Kontext sein eigenes 40.000er-Limit, die Werte addieren sich nicht zu 80.000. Eine Ausnahme bilden mehrere Process-Lizenzen auf demselben Flow, die sich gezielt stapeln lassen.
Was ist der Unterschied zwischen dem 24-Stunden-Limit und dem 5-Minuten-Limit?
Neben dem täglichen Limit gibt es ein kurzfristiges Limit von 100.000 Power-Platform-Anfragen innerhalb von fünf Minuten, unabhängig von der Lizenz. Ein Flow mit Process-Lizenz kann also zwar bis zu 250.000 Aktionen an einem Tag ausführen, aber nicht mehr als 100.000 davon innerhalb eines einzelnen Fünf-Minuten-Fensters.
Wie finde ich heraus, wie viele Aktionen mein Flow tatsächlich verbraucht?
Öffne die Flow-Detailseite und wechsle zum Reiter Analytics beziehungsweise Aktionen. Dort siehst Du den tatsächlichen täglichen Aktionsverbrauch. Zusätzlich bietet das Power Platform Admin Center herunterladbare Berichte zur Power-Platform-Anforderungsnutzung, mit denen sich einzelne Flows oder Benutzer mit hohem Verbrauch identifizieren lassen.
Muss ich bei vielen Schleifendurchläufen automatisch eine Process-Lizenz kaufen?
Nicht zwingend. Bevor eine höhere Lizenz nötig wird, lohnt sich zunächst die Optimierung: weniger Schleifendurchläufe durch Filter-Parameter in der Datenabfrage, seltenere Ausführungsintervalle bei geplanten Flows oder das Zwischenspeichern wiederverwendeter Werte in einer Variable. Bleibt der Verbrauch danach dauerhaft über 40.000 Aktionen pro Tag für einen einzelnen geschäftskritischen Flow, ist die Process-Lizenz mit ihrem stapelbaren 250.000er-Limit die passende Lösung.
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