Hosted RPA in Power Automate: gehostete Maschinen statt eigener Infrastruktur

Gehostete RPA-Maschinen in Power Automate: Hosted Machines, Hosted Machine Groups und die Abgrenzung zu unattended RPA on-premises.

Unattended RPA lief in Power Automate lange nach demselben Muster: Du brauchst eine physische oder virtuelle Windows-Maschine, installierst Power Automate für Desktop darauf, richtest einen Dienstkonto ein und kümmerst Dich fortan selbst um Patches, Neustarts und Kapazitätsplanung. Genau diesen Teil nimmt Dir die gehostete RPA in Power Automate ab: Microsoft stellt die Windows-Maschine in Azure bereit, Du bringst nur noch den Desktop-Flow und die Lizenz mit.

Dieser Artikel erklärt, was hinter Hosted Machines und Hosted Machine Groups steckt, welche Lizenz Du dafür brauchst und wo die Grenze zur klassischen unattended RPA auf eigener Infrastruktur verläuft. Stand: Juli 2026.

Was gehostete RPA in Power Automate ist

Laut der Einführung in die gehostete Power Automate-RPA unterstützt Power Automate zwei gehostete RPA-Szenarien, die auf Microsoft-Infrastruktur in Azure laufen:

  • Hosted Machines geben Entwicklerinnen und Entwicklern eine einzelne gehostete Windows-Maschine, um Desktop-Flows zu bauen, zu testen und anschließend im beaufsichtigten oder unbeaufsichtigten Modus laufen zu lassen.
  • Hosted Machine Groups stellen einen Pool an Bots bereit, der sich automatisch nach Bedarf skaliert und für produktive unattended-Szenarien gedacht ist.

Der Kerngedanke dahinter: Das manuelle Beschaffen, Installieren und Zuweisen einer RPA-Maschine kann laut Microsoft-Dokumentation mehrere Tage dauern. Mit Hosted RPA reicht ein Name, ein Basis-Image und ein Konto, um eine Maschine innerhalb weniger Minuten startklar zu haben. Für gängige Web-Automatisierung liefert Microsoft standardmäßig ein vorkonfiguriertes Windows-Image mit installiertem Edge-Browser. Wer speziellere Desktop-Anwendungen automatisieren will, bringt über die Anbindung an die Azure Compute Gallery ein eigenes VM-Image mit.

Hosted Machines und Hosted Machine Groups im Vergleich

Die beiden Angebote lösen unterschiedliche Probleme im RPA-Lebenszyklus:

  • Hosted Machines eignen sich für den Aufbau und Test eines Desktop-Flows und für Einzelpersonen, die eine Automatisierung beaufsichtigt oder unbeaufsichtigt auf genau einer Maschine ausführen wollen. Laut der Dokumentation zu gehosteten Computern läuft die Bereitstellung über Windows 365, der Zugriff erfolgt ausschließlich für die Erstellerin oder den Ersteller der Maschine, andere Nutzerkonten lassen sich aber für unbeaufsichtigte Läufe ergänzen.
  • Hosted Machine Groups sind für den produktiven Betrieb in Serie gedacht. Wartet ein Desktop-Flow in der Warteschlange und ist kein Bot frei, provisioniert Power Automate automatisch eine weitere virtuelle Maschine, bis die von der Administration festgelegte Maximalzahl an Bots erreicht ist. Kapazität wird dabei dynamisch zwischen mehreren Gruppen verteilt: Braucht die Finanzabteilung am Quartalsende mehr Bots als der Vertrieb, wandert der Großteil der gemeinsamen Kapazität automatisch dorthin und kehrt danach wieder zurück.

Ein Desktop-Flow lässt sich zunächst auf einer Hosted Machine entwickeln und testen und danach einer Hosted Machine Group zuweisen, die die eigentliche Lastverteilung übernimmt.

Abgrenzung zu unattended RPA on-premises

Der wichtigste Unterschied liegt nicht in der Funktionalität des Desktop-Flows selbst, sondern darin, wer die Maschine betreibt. Bei klassischer unattended RPA on-premises bringst Du die Maschine mit, ob physisch oder als eigene VM, installierst Power Automate für Desktop, richtest das Dienstkonto ein und übernimmst Patchmanagement, Netzwerkkonfiguration und Kapazitätsplanung selbst. Ein unbeaufsichtigter Lauf meldet sich dabei über einen Unattended-Bot im Namen eines hinterlegten Kontos an der Maschine an, führt den Flow aus und meldet sich wieder ab.

Bei Hosted RPA übernimmt Microsoft genau diesen Infrastrukturteil. Die Standard-Images werden laut der Hosted RPA Best Practices and FAQ automatisch monatlich im Rahmen des regulären Windows-Sicherheitspatch-Zyklus aktualisiert, sodass eigenes Patchmanagement für Standardszenarien entfällt. Wer ein eigenes VM-Image mitbringt, bleibt für dessen Pflege zwar selbst verantwortlich, profitiert aber weiterhin von automatischer Bereitstellung und Skalierung. Auch Netzwerkanbindung ist möglich: Über eine benutzerdefinierte virtuelle Netzwerkverbindung lassen sich gehostete Maschinen an ein eigenes Azure-Netzwerk und damit an On-Premises-Ressourcen anbinden, inklusive Microsoft Entra Hybrid Join für Szenarien, die eine Domänenmitgliedschaft voraussetzen.

Lizenzierung: der zentrale Unterschied

Für Hosted RPA brauchst Du laut Dokumentation die Power Automate Hosted Process-Lizenz, vormals als Hosted-RPA-Add-on bezeichnet. Jede Einheit Hosted-Process-Kapazität lässt sich entweder einer einzelnen Hosted Machine zuweisen oder als geteilte Kapazität über mehrere Hosted Machine Groups verteilen. Zusätzlich brauchst Du die Grundlizenzen Windows, Intune und Microsoft Entra ID, da die Maschinen technisch über Windows 365 bereitgestellt werden.

Wichtig für die Einordnung: Die Hosted-Process-Lizenz ist laut den Power Automate Lizenztypen eine Obermenge der klassischen Process-Lizenz für unattended RPA. Ein gehosteter Bot gilt automatisch auch als unattended Bot, eine separate Unattended-RPA-Lizenz brauchst Du für Hosted-RPA-Szenarien also nicht zusätzlich. Für beaufsichtigte Läufe und für die Erstellung von Desktop-Flows im Portal bleibt der Premium-Nutzerplan Voraussetzung, unabhängig davon, ob die Maschine gehostet oder klassisch on-premises betrieben wird.

Governance, Sicherheit und Skalierung

Auch wenn die Infrastruktur bei Microsoft liegt, behältst Du die Kontrolle über Zugriff und Konfiguration. Rollen wie Environment Maker, Desktop Flows Machine Owner oder Desktop Flows Machine Configuration Admin steuern, wer Maschinen, VM-Images und Netzwerkverbindungen anlegen und freigeben darf. Conditional-Access-Richtlinien in Microsoft Entra ID und, bei hybrid verbundenen Hosted Machines, klassische Gruppenrichtlinien über Active Directory lassen sich weiterhin anwenden. Über das Hosted-Process-Kapazitätsdashboard siehst Du jederzeit, wie viel der gebuchten Kapazität tatsächlich genutzt wird und ob eine Hosted Machine Group an ihre Grenze stößt.

Bei Hosted Machine Groups legst Du zusätzlich eine maximale und eine optional garantierte Bot-Anzahl fest. Die maximale Zahl erlaubt automatisches Hochskalieren, wenn Kapazität verfügbar ist, die garantierte Zahl sichert der Gruppe eine Mindestkapazität, auch wenn andere Gruppen gerade viel beanspruchen. So lässt sich eine geschäftskritische Rechnungsverarbeitung gegen Lastspitzen anderer Prozesse absichern, ohne dauerhaft ungenutzte Maschinen vorzuhalten.

Wann sich Hosted RPA lohnt

Hosted RPA passt gut, wenn Du schnell starten willst, ohne vorher Hardware oder VMs zu beschaffen, wenn Deine Automatisierung überwiegend webbasiert ist und mit dem Standard-Image auskommt, oder wenn Lastspitzen wie Quartalsabschlüsse eine kurzfristige Skalierung erfordern. Eigene Infrastruktur bleibt sinnvoll, wenn bereits gepflegte VM-Umgebungen existieren, wenn sehr spezielle On-Premises-Anwendungen mit engen Netzwerkanforderungen automatisiert werden oder wenn eine Sovereign-Cloud-Umgebung vorausgesetzt wird, da Hosted Machines dort laut Dokumentation aktuell noch nicht verfügbar sind.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hosted Machines und Hosted Machine Groups?

Eine Hosted Machine ist eine einzelne gehostete Maschine, auf der Du Desktop-Flows baust, testest und beaufsichtigt oder unbeaufsichtigt ausführst. Eine Hosted Machine Group ist ein Pool aus mehreren Maschinen, der sich automatisch nach Bedarf skaliert und für produktive, unbeaufsichtigte Automatisierung in größerem Maßstab gedacht ist.

Brauche ich für Hosted RPA zusätzlich eine Unattended-RPA-Lizenz?

Nein. Die Power Automate Hosted Process-Lizenz ist eine Obermenge der klassischen Process-Lizenz für unattended RPA. Jeder gehostete Bot gilt automatisch auch als unattended Bot, eine separate Unattended-RPA-Lizenz ist für Hosted-RPA-Szenarien nicht nötig.

Kann ich eigene Anwendungen auf einer gehosteten Maschine installieren?

Ja, über ein benutzerdefiniertes VM-Image aus der Azure Compute Gallery. Das Image muss bestimmte Anforderungen erfüllen, unter anderem Windows 10 oder 11 Enterprise, ein generalisiertes Gen2-Image ohne Wiederherstellungspartition und Single-Session-Fähigkeit. Ohne eigenes Image steht ein Standard-Windows-Image mit vorinstalliertem Edge-Browser für Web-Automatisierung zur Verfügung.

Ist Hosted RPA in jeder Region verfügbar?

Hosted RPA steht laut Dokumentation in zahlreichen Power-Platform-Regionen der öffentlichen Cloud zur Verfügung, darunter Europa, Deutschland, Frankreich, die Schweiz und weitere. In Sovereign-Cloud-Umgebungen ist das Feature aktuell noch nicht verfügbar.

Was passiert mit einer gehosteten Maschine, wenn sie nicht genutzt wird?

In Umgebungen ohne aktive Hosted-Process-Lizenz, etwa in reinen Testumgebungen, löscht Power Automate eine Hosted Machine automatisch, wenn sie 14 Tage lang keinen Flow ausgeführt hat und nicht genutzt wurde. Die gelöschte Maschine bleibt zwar sichtbar, lässt sich aber nicht mehr verwenden und muss neu angelegt werden, inklusive neu konfigurierter Verbindungen in den betroffenen Cloud-Flows.

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