Desktop-Flow-Lizenzen: Attended, unattended und hosted RPA im Vergleich
Attended, unattended und hosted RPA im Vergleich: welche Power-Automate-Lizenz für welchen Desktop-Flow-Einsatz nötig ist.
Gehostete RPA-Maschinen in Power Automate: Hosted Machines, Hosted Machine Groups und die Abgrenzung zu unattended RPA on-premises.
Unattended RPA in Power Automate folgte lange demselben Muster. Sie stellen eine Windows-Maschine bereit, installieren Power Automate für Desktop, richten ein Dienstkonto ein und pflegen danach Patches, Neustarts und Kapazität selbst.
Genau diesen Teil nimmt Ihnen die gehostete RPA ab. Microsoft stellt die Windows-Maschine über Windows 365 in Azure bereit. Sie bringen den Desktop-Flow und die Lizenz mit.
Dieser Artikel erklärt, was hinter Hosted Machines und Hosted Machine Groups steckt. Sie erfahren, welche Lizenz Sie brauchen, was Sie im Tenant vorbereiten müssen und wo die Grenze zur RPA auf eigener Infrastruktur verläuft.
Gehostete RPA ist unbeaufsichtigte und beaufsichtigte Desktop-Automatisierung auf Windows-Maschinen, die Microsoft für Sie bereitstellt und betreibt.
Laut der Einführung in die gehostete Power Automate-RPA gibt es dafür zwei Ausprägungen. Hosted Machines sind einzelne, dauerhaft eingeschaltete Maschinen. Hosted Machine Groups sind ein Pool, der automatisch skaliert.
Für Web-Automatisierung liefert Microsoft ein Standard-Image mit vorinstalliertem Edge-Browser. Wer spezielle Desktop-Anwendungen automatisiert, bringt ein eigenes VM-Image aus der Azure Compute Gallery mit.
Eine Hosted Machine passt zum Bauen und Testen, eine Hosted Machine Group zum produktiven Serienbetrieb.
Merkmal | Hosted Machine | Hosted Machine Group
Merkmal: Zweck · Hosted Machine: Desktop-Flows bauen, testen, ausführen · Hosted Machine Group: unbeaufsichtigte Automatisierung in Serie
Merkmal: Ausführungsmodus · Hosted Machine: beaufsichtigt und unbeaufsichtigt · Hosted Machine Group: ausschließlich unbeaufsichtigt
Merkmal: Skalierung · Hosted Machine: eine feste Maschine · Hosted Machine Group: Autoskalierung bis zur Obergrenze
Merkmal: Konten · Hosted Machine: Geschäfts-, Schul- oder Unikonto · Hosted Machine Group: Geschäftskonto oder lokales Konto
Merkmal: Verbindungstyp · Hosted Machine: Standard-Verbindungstypen · Hosted Machine Group: nur direkte Konnektivität
Merkmal: Geräteverwaltung · Hosted Machine: Intune, Gruppenrichtlinien bei Hybrid Join, Conditional Access · Hosted Machine Group: Conditional Access
Merkmal: Obergrenze · Hosted Machine: eine Maschine je Hosted-Process-Einheit · Hosted Machine Group: maximal 50 Bots je Gruppe
Quelle: Hosted RPA Best Practices and FAQ und Hosted machine group.
Sie können beides kombinieren. Entwickeln und testen Sie auf einer Hosted Machine, danach übernimmt eine Hosted Machine Group die Lastverteilung.
Beachten Sie eine Einschränkung: Die Funktion Ablauf testen ist mit Hosted Machine Groups nicht kompatibel. Der geplante Testlauf bleibt aber im Ausführungsverlauf sichtbar.
Ohne gültige Intune- und Entra-Konfiguration schlägt die Bereitstellung fehl, bevor die erste Maschine entsteht.
Nötig sind ein funktionierender Intune- und Microsoft-Entra-Tenant sowie die Registrierungsbeschränkung Allow Windows (MDM) platform for corporate enrollment. Zusätzlich müssen vier Dienstprinzipale im Tenant existieren.
Diese werden normalerweise automatisch angelegt. Fehlen sie, legen Sie sie mit der Azure CLI an:
1# Windows 3652az ad sp create --id 0af06dc6-e4b5-4f28-818e-e78e62d137a53# Azure Virtual Desktop4az ad sp create --id 9cdead84-a844-4324-93f2-b2e6bb768d075# Azure Virtual Desktop Client6az ad sp create --id a85cf173-4192-42f8-81fa-777a763e6e2c7# Azure Virtual Desktop ARM Provider8az ad sp create --id 50e95039-b200-4007-bc97-8d5790743a63Die Anwendungs-IDs stammen aus der Dokumentation zu gehosteten Computern. Prüfen Sie vorher im Azure-Portal unter Microsoft Entra > Unternehmensanwendungen, ob die Prinzipale schon vorhanden sind.
Das Standard-Image reicht für Web-Automatisierung, ein eigenes Image brauchen Sie für installierte Desktop-Anwendungen.
Das Standard-Image basiert auf der Windows-365-Vorlage Windows 11 Enterprise Cloud PC 24H2 und enthält Microsoft Edge. Es wird monatlich im Rahmen des regulären Windows-Sicherheitspatch-Zyklus aktualisiert.
Ein eigenes Image aus der Azure Compute Gallery muss diese Anforderungen erfüllen:
Anforderung | Vorgabe
Anforderung: Betriebssystem · Vorgabe: Windows 10 Enterprise ab 20H2 oder Windows 11 Enterprise ab 21H2
Anforderung: Generation · Vorgabe: Generation 2
Anforderung: Zustand · Vorgabe: generalisiertes VM-Image
Anforderung: Sitzungsmodus · Vorgabe: Single Session, Multi-Session wird nicht unterstützt
Anforderung: Partitionen · Vorgabe: keine Wiederherstellungspartition
Anforderung: Datenträger · Vorgabe: 64 GB Standardgröße, wird automatisch auf 256 GB angehoben
Anforderung: Sicherheitstyp · Vorgabe: Trusted Launch im Image-Definitionstyp aktiviert
Anforderung: Region · Vorgabe: repliziert in genau der Region der gehosteten Maschine
Wollen Sie eine bestimmte Version von Power Automate für Desktop festschreiben, setzen Sie im Image den Registrierungswert UseInstalledPADForHosted auf True. Er liegt unter HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\WOW6432Node\Microsoft\Power Automate Desktop\Global.
Über eine benutzerdefinierte Netzwerkverbindung erreichen gehostete Maschinen Ihre Azure- und On-Premises-Ressourcen.
Das virtuelle Netzwerk muss in derselben Azure-Region liegen wie die gehosteten Maschinen. Die Region ergibt sich aus der Geografie Ihrer Power-Platform-Umgebung.
Umgebungs-Geografie | Azure-Region
Umgebungs-Geografie: Europa · Azure-Region: North Europe
Umgebungs-Geografie: Deutschland · Azure-Region: Germany West Central
Umgebungs-Geografie: Schweiz · Azure-Region: Switzerland North
Umgebungs-Geografie: Frankreich · Azure-Region: France Central
Umgebungs-Geografie: Vereinigtes Königreich · Azure-Region: UK South
Zusätzlich braucht der Windows-365-Dienstprinzipal drei Rollenzuweisungen. Diese setzen Sie so:
1SUB="00000000-0000-0000-0000-000000000000"2RG="rg-rpa-netzwerk"3VNET="vnet-rpa"4W365=$(az ad sp show --id 0af06dc6-e4b5-4f28-818e-e78e62d137a5 --query id -o tsv)5
6az role assignment create --assignee-object-id "$W365" \7 --assignee-principal-type ServicePrincipal --role "Reader" \8 --scope "/subscriptions/$SUB"9
10az role assignment create --assignee-object-id "$W365" \11 --assignee-principal-type ServicePrincipal \12 --role "Windows 365 Network Interface Contributor" \13 --scope "/subscriptions/$SUB/resourceGroups/$RG"14
15az role assignment create --assignee-object-id "$W365" \16 --assignee-principal-type ServicePrincipal \17 --role "Windows 365 Network User" \18 --scope "/subscriptions/$SUB/resourceGroups/$RG/providers/Microsoft.Network/virtualNetworks/$VNET"Pro Tenant sind bis zu 30 benutzerdefinierte virtuelle Netzwerke möglich. Eine Netzwerkverbindung mit Microsoft Entra Hybrid Join braucht 10 bis 15 Minuten für die Bereitstellung.
Für gehostete RPA brauchen Sie die Kapazitätslizenz Power Automate Hosted Process, vormals Hosted-RPA-Add-on.
Jede Einheit dieser Lizenz trägt genau einen gehosteten Bot. Sie versorgt entweder eine einzelne Hosted Machine oder dient als geteilte Kapazität für mehrere Hosted Machine Groups. Zusätzlich sind Windows-, Intune- und Entra-ID-Lizenzen Voraussetzung.
Lizenz | Zugewiesen an | Beaufsichtigte RPA | Unbeaufsichtigte RPA | Gehostete RPA
Lizenz: Power Automate Premium · Zugewiesen an: Benutzer · Beaufsichtigte RPA: ein Attended-Bot · Unbeaufsichtigte RPA: nicht enthalten · Gehostete RPA: nicht enthalten
Lizenz: Power Automate Process · Zugewiesen an: Cloud-Flow oder Maschine · Beaufsichtigte RPA: nicht enthalten · Unbeaufsichtigte RPA: ein Unattended-Bot · Gehostete RPA: nicht enthalten
Lizenz: Power Automate Hosted Process · Zugewiesen an: gehostete Maschine oder Gruppe · Beaufsichtigte RPA: nicht enthalten · Unbeaufsichtigte RPA: ein Unattended-Bot · Gehostete RPA: ein Hosted-Bot
Quelle: Power Automate Lizenztypen.
Wichtig für die Einordnung: Hosted Process ist eine Obermenge der Process-Lizenz. Jeder gehostete Bot gilt damit auch als unbeaufsichtigter Bot. Eine separate Unattended-Lizenz brauchen Sie für gehostete Läufe nicht.
Für beaufsichtigte Läufe auf einer Hosted Machine und für das Erstellen von Desktop-Flows im Portal bleibt der Premium-Nutzerplan Voraussetzung. Zum Ausprobieren gibt es eine 90-Tage-Testphase mit bis zu zehn Gruppen und zwei parallelen Bots.
Der Unterschied liegt nicht im Desktop-Flow, sondern in der Frage, wer die Maschine betreibt und patcht.
Aspekt | Gehostete RPA | Eigene Infrastruktur
Aspekt: Bereitstellung · Gehostete RPA: über den Assistenten im Portal · Eigene Infrastruktur: eigene VM oder Hardware
Aspekt: Patchmanagement · Gehostete RPA: monatlich beim Standard-Image durch Microsoft · Eigene Infrastruktur: vollständig bei Ihnen
Aspekt: Skalierung · Gehostete RPA: automatisch bis zur Bot-Obergrenze · Eigene Infrastruktur: manuelle Kapazitätsplanung
Aspekt: Netzwerk · Gehostete RPA: Microsoft-Netz oder eigenes Azure-Netz · Eigene Infrastruktur: vorhandenes Firmennetz
Aspekt: Lizenz · Gehostete RPA: Hosted Process · Eigene Infrastruktur: Process
Aspekt: Sovereign Cloud · Gehostete RPA: derzeit nicht verfügbar · Eigene Infrastruktur: möglich
Eigene Infrastruktur bleibt sinnvoll, wenn gepflegte VM-Umgebungen bereits existieren. Auch enge Netzwerkanforderungen oder eine Sovereign-Cloud-Umgebung sprechen dagegen.
Vier dokumentierte Grenzen betreffen den produktiven Betrieb unmittelbar.
Nach einer Löschung müssen Sie die Ressource neu anlegen. Die Verbindungen in den betroffenen Cloud-Flows sind dann ebenfalls neu zu konfigurieren.
Die folgenden Fehlerbilder decken den größten Teil der Störungen bei der Bereitstellung ab.
1. `intuneEnroll_BlockedByEnrollmentRestriction`. Eine Intune-Registrierungsbeschränkung blockiert die MDM-Registrierung. Erlauben Sie unter Geräte > Registrierungsbeschränkungen die Plattform Windows (MDM) für Unternehmensgeräte. Quelle: Troubleshoot hosted machines.
2. `intuneEnroll_DelayedEffectivenessOfIntuneLicense`. Dem Konto fehlt eine gültige Intune-Lizenz oder sie ist noch nicht wirksam. Weisen Sie die Lizenz zu und starten Sie die Bereitstellung erneut. Quelle: Assign licenses to users so they can enroll devices in Intune.
3. `noEnoughIpAddress`. Im gewählten Subnetz sind keine freien IP-Adressen mehr verfügbar. Vergrößern Sie das Subnetz oder wählen Sie ein anderes. Quelle: Add, change, or delete a virtual network subnet.
4. `imageDiskSizeOverMatch`. Das eigene VM-Image ist größer als der bereitgestellte Datenträger. Bauen Sie das Image mit 64 GB Datenträgergröße neu. Quelle: Troubleshoot hosted machines.
5. Unbeaufsichtigte Läufe scheitern mit einem Anmeldefehler. Auf einer Hosted Machine mit Standard-Image ist die Authentifizierung auf Netzwerkebene aktiv. Deaktivieren Sie Network Level Authentication auf der Maschine. Quelle: Hosted machines.
Sie prüfen, ob gehostete RPA für Ihre Prozesse passt? Dabei unterstützen wir Sie mit unseren Power-Automate-Leistungen.
Eine Hosted Machine ist eine einzelne, dauerhaft eingeschaltete Maschine für Bau, Test und Ausführung. Eine Hosted Machine Group ist ein Pool, der automatisch skaliert und ausschließlich unbeaufsichtigt läuft. Eine Gruppe fasst maximal 50 Bots.
Nein. Die Lizenz Power Automate Hosted Process ist eine Obermenge der Process-Lizenz. Jeder gehostete Bot gilt damit auch als unbeaufsichtigter Bot. Eine separate Unattended-Lizenz ist nicht nötig.
Ja, über ein eigenes VM-Image aus der Azure Compute Gallery. Das Image braucht Windows 10 oder 11 Enterprise, Generation 2, Trusted Launch und Single-Session-Fähigkeit. Eine Wiederherstellungspartition darf es nicht enthalten.
Nein. Verfügbar ist sie in zahlreichen Power-Platform-Geografien der öffentlichen Cloud, darunter Europa, Deutschland, Frankreich, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. In Sovereign Clouds steht das Feature derzeit nicht zur Verfügung.
In Umgebungen ohne Hosted-Process-Lizenz löscht Power Automate eine Hosted Machine nach 14 Tagen ohne Aktivität. Hosted Machine Groups ohne Committed Bots trifft es nach 28 Tagen. Die Ressource bleibt sichtbar, muss aber neu angelegt werden.
Gründer von NordFlux. Sieben Jahre Erfahrung von Web und SEO bis zur Automatisierung im Konzern-Maßstab, heute pragmatisch für den Mittelstand und mit deutscher Datenhoheit.
Zertifizierungen
Attended, unattended und hosted RPA im Vergleich: welche Power-Automate-Lizenz für welchen Desktop-Flow-Einsatz nötig ist.
Unattended RPA einrichten: Maschine registrieren, Prozesskapazität zuweisen und Cloud-Flow auf unbeaufsichtigt stellen, ohne Gateway.
Nicht jeder Prozess eignet sich für RPA. Der Kriterienkatalog zeigt, welche Merkmale einen guten Automatisierungskandidaten ausmachen.
Gehostete Maschinen nehmen Ihnen die eigene Infrastruktur ab, verändern aber Lizenzierung, Governance und Skalierung grundlegend gegenüber unattended RPA on-premises. NordFlux bewertet anhand Ihrer Prozesse, ob Hosted RPA wirklich den Betriebsaufwand senkt oder ihn nur verlagert.