Desktop-Flow aus dem Cloud-Flow starten
Wie Du in Power Automate einen Desktop-Flow direkt aus einem Cloud-Flow auslöst, inklusive Modus, Variablen und Verbindung.
Ein Cloud-Flow in Power Automate läuft vollständig in der Cloud und kann Systeme wie SharePoint, Outlook oder Dataverse direkt ansteuern. Sobald aber eine klassische Windows-Anwendung ohne API im Spiel ist, ein altes ERP-System zum Beispiel oder eine Excel-Maske mit gewachsener Eigenlogik, reicht die reine Cloud-Ebene nicht mehr aus. Genau an dieser Stelle kommt die Aktion Einen Ablauf ausführen, der mit Power Automate für Desktop erstellt wurde ins Spiel. Sie bildet die Brücke zwischen der Cloud-Automatisierung und der RPA-Ebene auf dem Desktop, sodass ein Cloud-Flow einen Desktop-Flow anstoßen und dessen Ergebnis anschließend weiterverarbeiten kann.
Wie Du diese Brücke aufbaust, welche Voraussetzungen ein Computer dafür mitbringen muss und wie Daten in beide Richtungen fließen, zeigt dieser Artikel entlang der offiziellen Power-Automate-Dokumentation von Microsoft. Stand: Juli 2026.
Was Du vor dem Start brauchst
Laut der Dokumentation zum Auslösen von Desktop-Flows aus Cloud-Flows benötigst Du vier Dinge, bevor die erste Verknüpfung funktioniert:
- Einen registrierten Computer oder eine Computergruppe, der beziehungsweise die den ausgelösten Desktop-Flow tatsächlich ausführt. Computergruppen erlauben es, mehrere Maschinen als eine Einheit zu behandeln und die Last zu verteilen.
- Ein Geschäfts-, Schul- oder Unikonto. Ein privates Microsoft-Konto reicht dafür nicht aus.
- Eine konfigurierte Desktop-Flow-Verbindung zu diesem Computer.
- Die passende Lizenz: eine reguläre Lizenz für beaufsichtigte (attended) Ausführungen oder ein Unattended-Add-on für unbeaufsichtigte Ausführungen. Diese Lizenz muss der Ersteller der Verbindung besitzen, nicht zwingend die Person, die den Cloud-Flow baut.
Schritt für Schritt: Desktop-Flow aus dem Cloud-Flow auslösen
Der eigentliche Aufbau läuft immer nach demselben Muster ab:
- Lege in Power Automate einen neuen Cloud-Flow an, entweder als Sofort-Flow für manuelles Auslösen oder als automatisierten Flow mit einem eigenen Trigger.
- Wähle im Flow-Designer + Neuer Schritt, suche nach Power Automate für Desktop und wähle die Aktion Einen Ablauf ausführen, der mit Power Automate für Desktop erstellt wurde.
- Falls noch keine Desktop-Flow-Verbindung existiert, fordert die Aktion Dich direkt auf, eine anzulegen.
- Lege den gewünschten Ausführungsmodus fest, attended oder unattended, und wähle im Feld Desktop-Flow entweder Neuen Desktop-Flow erstellen oder einen bereits vorhandenen Flow aus.
- Beim Anlegen eines neuen Desktop-Flows öffnet sich automatisch der Desktop-Flow-Designer, in dem Du die eigentliche RPA-Logik baust, also Klicks, Texteingaben oder Datenextraktion aus der Zielanwendung.
Eingabe- und Ausgabevariablen: Daten zwischen den Ebenen austauschen
Desktop-Flows können Eingabe- und Ausgabevariablen definieren, damit Cloud- und Desktop-Ebene tatsächlich miteinander sprechen. Eingabevariablen reichen Daten aus dem Cloud-Flow an den Desktop-Flow durch, etwa eine Kundennummer oder einen Dateipfad. Ausgabevariablen laufen in die andere Richtung und geben zum Beispiel ein Ergebnis aus einer Legacy-Anwendung an den Cloud-Flow zurück, sodass dieser damit weiterarbeiten kann, etwa um eine E-Mail zu verschicken oder einen Datensatz in Dataverse zu aktualisieren. Sobald ein Desktop-Flow Eingabevariablen besitzt, erscheinen sie automatisch als eigene Felder in der Aktion im Power-Automate-Portal. Zwei Punkte solltest Du dabei im Hinterkopf behalten:
- Enthält eine Eingabevariable vertrauliche Daten, etwa ein Kennwort, solltest Du sie in den Protokollen verschleiern oder ganz weglassen.
- Die Eingabegröße pro Desktop-Flow ist auf 2 MB begrenzt, für China-Regionen auf 1 MB.
Attended oder unattended: den richtigen Modus wählen
Ob ein Desktop-Flow beaufsichtigt oder unbeaufsichtigt läuft, entscheidet maßgeblich über die Architektur dahinter. Bei attended läuft die Automatisierung, während jemand vor dem Rechner sitzt, wird meist manuell gestartet und darf auch menschliche Zwischenentscheidungen enthalten. Bei unattended führt Power Automate laut der Dokumentation zu unbeaufsichtigten Desktop-Flows den gesamten Ablauf selbstständig aus, ganz ohne menschliches Zutun, und meldet sich dafür automatisch mit den in der Verbindung hinterlegten Anmeldeinformationen am Zielcomputer an. Dabei gilt es einige Besonderheiten zu beachten:
- Power Automate baut für unbeaufsichtigte Läufe eine Remotedesktop-Sitzung (RDP) auf, eine Verbindung zur normalen Konsolensitzung ist dafür nicht vorgesehen.
- Der Bildschirm des Zielcomputers bleibt während der Ausführung gesperrt, sodass niemand live mitsehen kann.
- Windows 10 und Windows 11 können keinen unbeaufsichtigten Desktop-Flow starten, solange eine aktive Benutzersitzung existiert, selbst eine gesperrte.
- Für unbeaufsichtigte Läufe brauchst Du zusätzlich den Power-Automate-Prozess-Plan beziehungsweise das entsprechende Unattended-Add-on.
Wichtig für die Planung: Attended und unattended sollten nicht auf derselben Maschine gemischt werden, da beaufsichtigte Automatisierung eine bereits angemeldete Sitzung voraussetzt, unbeaufsichtigte Automatisierung dagegen einen abgemeldeten oder getrennten Zustand braucht.
Verbindungstypen: Wie Power Automate sich mit Deinem Computer verbindet
Bevor überhaupt ein Desktop-Flow aus der Cloud gestartet werden kann, muss die Verbindung zur Maschine stehen. Die Dokumentation zu Desktop-Flow-Verbindungen beschreibt zwei grundsätzliche Wege dafür:
- Mit Benutzername und Kennwort verbinden: Du hinterlegst entweder gespeicherte Anmeldeinformationen, zum Beispiel aus Azure Key Vault, oder gibst Domäne, Benutzername und Kennwort direkt ein.
- Mit Anmeldedaten für beaufsichtigte Ausführungen verbinden: Hier meldest Du Dich stattdessen über ein Microsoft-Entra-Konto an, ohne ein Kennwort in der Verbindung zu speichern. Das funktioniert allerdings ausschließlich für attended-Läufe, für unbeaufsichtigte Ausführungen schlägt diese Verbindungsart fehl.
Wichtig für die Governance: Eine Desktop-Flow-Verbindung lässt sich laut Dokumentation nicht mit anderen Personen teilen, und bevor Du eine Maschine überhaupt für Cloud-gesteuerte Desktop-Flows freigibst, solltest Du sicherstellen, dass sie abgesichert ist und ihre Administratoren vertrauenswürdig sind.
Bekannte Einschränkungen im Blick behalten
Für den produktiven Einsatz lohnt sich ein Blick auf die dokumentierten Grenzen, bevor sie Dich im Betrieb überraschen:
- Pro Verbindung sind aktuell bis zu 70 Desktop-Flow-Ausführungen pro Minute möglich.
- Bricht jemand den übergeordneten Cloud-Flow ab, stoppt das den zugehörigen Desktop-Flow nicht automatisch, sofern die Einstellung Asynchronous Pattern in der Aktion deaktiviert ist.
- Bei unbeaufsichtigten Läufen mit Fehlschlag kannst Du optional Videoprotokolle aktivieren, die die letzten 60 Sekunden vor dem Fehler aufzeichnen und so bei der Fehlersuche helfen, etwa wenn ein UI-Element nicht gefunden wird.
Diese Brücke zwischen Cloud- und Desktop-Ebene ist damit kein Nebenschauplatz, sondern oft der entscheidende Baustein, der eine Automatisierung erst vollständig macht. Du behältst dabei die Kontrolle darüber, welche Schritte in der Cloud und welche auf der Windows-Oberfläche laufen, und kannst beide Welten sauber über Eingabe- und Ausgabevariablen miteinander verbinden.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Cloud-Flow und einem Desktop-Flow?
Ein Cloud-Flow läuft vollständig auf den Servern von Microsoft und spricht mit Diensten über APIs und Konnektoren. Ein Desktop-Flow läuft dagegen auf einem echten Windows-Computer und steuert dort Anwendungen genau so, wie ein Mensch es tun würde, per Klick, Tastatureingabe oder Bildschirmerkennung. Die Aktion zum Ausführen eines Desktop-Flows verbindet beide Welten, indem der Cloud-Flow den Desktop-Flow anstößt und auf dessen Ergebnis wartet.
Wie viele Desktop-Flow-Ausführungen sind pro Verbindung möglich?
Laut der offiziellen Dokumentation unterstützt Power Automate derzeit bis zu 70 Desktop-Flow-Ausführungen pro Minute für jede einzelne Verbindung. Bei größeren Mengen paralleler Ausführungen lohnt sich der Einsatz mehrerer Verbindungen oder einer Computergruppe, um die Last zu verteilen.
Kann ich Attended- und Unattended-Läufe auf derselben Maschine mischen?
Technisch ist das nicht sinnvoll, weil beide Modi unterschiedliche Sitzungszustände voraussetzen. Attended-Automatisierung braucht eine bereits angemeldete, aktive Sitzung, unattended-Automatisierung dagegen einen Computer, von dem alle Benutzer abgemeldet sind. Für Windows 10 und Windows 11 verhindert eine aktive Sitzung sogar aktiv den Start eines unbeaufsichtigten Laufs. Plane deshalb pro Maschine oder Maschinengruppe einen einheitlichen Modus ein.
Was passiert, wenn ich den übergeordneten Cloud-Flow abbreche?
Standardmäßig läuft der Desktop-Flow in diesem Fall weiter, sofern die Einstellung Asynchronous Pattern in der Aktion deaktiviert ist. Der Cloud-Flow und der Desktop-Flow sind also nicht zwangsläufig fest miteinander gekoppelt. Wenn Du sicherstellen willst, dass ein Abbruch auf Cloud-Seite auch den Desktop-Flow beendet, solltest Du diesen Zusammenhang beim Entwurf des Flows gezielt berücksichtigen.
Brauche ich für unbeaufsichtigte Desktop-Flows eine zusätzliche Lizenz?
Ja. Für unbeaufsichtigte Ausführungen ist zusätzlich zur regulären Power-Automate-Lizenz ein Unattended-Add-on beziehungsweise der Power-Automate-Prozess-Plan erforderlich. Diese Lizenz muss bei der Person liegen, die die Desktop-Flow-Verbindung erstellt hat, nicht zwingend bei der Person, die den Cloud-Flow entwirft. Fehlt die passende Berechtigung, wird der Cloud-Flow beim Speichern automatisch gesperrt, bis das Add-on zugewiesen ist.
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