Desktop-Flow aus dem Cloud-Flow starten

Wie Sie in Power Automate einen Desktop-Flow direkt aus einem Cloud-Flow auslösen, inklusive Modus, Variablen und Verbindung.

Ein Cloud-Flow in Power Automate läuft vollständig auf den Servern von Microsoft. Er spricht SharePoint, Outlook oder Dataverse über Konnektoren an. Sobald eine Windows-Anwendung ohne Schnittstelle im Spiel ist, endet diese Ebene.

Ein gewachsenes ERP-System oder eine Excel-Maske mit Eigenlogik lässt sich nicht per Konnektor bedienen. Genau dafür gibt es die Aktion Einen Ablauf ausführen, der mit Power Automate für Desktop erstellt wurde.

Dieser Beitrag zeigt, wie Sie diese Brücke aufbauen. Sie erfahren, welche Voraussetzungen der Zielcomputer mitbringen muss, wie Daten in beide Richtungen fließen und welche Fehler am häufigsten auftreten.

Was die Aktion "Ablauf ausführen" leistet

Die Aktion startet aus einem Cloud-Flow heraus einen Desktop-Flow auf einem registrierten Windows-Computer und wartet auf dessen Ergebnis.

Der Cloud-Flow bleibt damit die Steuerzentrale. Er reagiert auf einen Trigger, bereitet Daten auf und übergibt sie an die RPA-Ebene. Der Desktop-Flow bedient anschließend die Zielanwendung so, wie ein Mensch es täte.

Über Ausgabevariablen kommt das Ergebnis zurück in die Cloud. Von dort verschicken Sie eine E-Mail, aktualisieren einen Dataverse-Datensatz oder schreiben in eine SharePoint-Liste. Quelle: Desktop-Flows aus Cloud-Flows heraus auslösen.

Welche Voraussetzungen der Start aus der Cloud hat

Vier Dinge müssen vorhanden sein, sonst lässt sich die Aktion nicht speichern.

Voraussetzung | Was konkret nötig ist

Voraussetzung: Computer oder Computergruppe · Was konkret nötig ist: Ein registriertes Gerät, das den Desktop-Flow ausführt. Gruppen verteilen die Last auf mehrere Maschinen.

Voraussetzung: Konto · Was konkret nötig ist: Ein Geschäfts-, Schul- oder Unikonto. Ein privates Microsoft-Konto genügt nicht.

Voraussetzung: Desktop-Flow-Verbindung · Was konkret nötig ist: Eine konfigurierte Verbindung zu genau diesem Computer oder dieser Gruppe.

Voraussetzung: Lizenz · Was konkret nötig ist: Reguläre Lizenz für beaufsichtigte Läufe, Power-Automate-Prozess-Plan für unbeaufsichtigte Läufe.

Wichtig bei der Lizenz: Sie muss beim Ersteller der Verbindung liegen. Nicht zwingend bei der Person, die den Cloud-Flow entwirft.

So richten Sie die Aktion Schritt für Schritt ein

Der Aufbau folgt immer demselben Muster, unabhängig vom Trigger des Cloud-Flows.

  1. Melden Sie sich unter make.powerautomate.com an und prüfen Sie oben rechts die Umgebung.
  2. Legen Sie einen Sofort-Flow oder einen automatisierten Cloud-Flow an.
  3. Wählen Sie + Neuer Schritt und suchen Sie nach Power Automate für Desktop.
  4. Wählen Sie die Aktion Einen Ablauf ausführen, der mit Power Automate für Desktop erstellt wurde.
  5. Legen Sie eine Desktop-Flow-Verbindung an, falls die Aktion Sie dazu auffordert.
  6. Setzen Sie den Ausführungsmodus und wählen Sie einen vorhandenen Desktop-Flow oder legen Sie einen neuen an.

Beim Anlegen eines neuen Desktop-Flows öffnet sich der Desktop-Designer. Dort bauen Sie die eigentliche RPA-Logik aus Klicks, Eingaben und Datenextraktion.

Die Aktion selbst kennt diese Parameter:

Feld in der Aktion | Wert | Wirkung

Feld in der Aktion: Ausführungsmodus · Wert: Beaufsichtigt oder Unbeaufsichtigt · Wirkung: Entscheidet, ob eine angemeldete Sitzung nötig ist.

Feld in der Aktion: Desktop-Flow · Wert: Name des Ablaufs · Wirkung: Bestimmt, welcher Ablauf auf der Maschine startet.

Feld in der Aktion: Eingabevariablen · Wert: je ein Feld pro Variable · Wirkung: Erscheinen automatisch, sobald der Desktop-Flow sie definiert.

Feld in der Aktion: Videoprotokolle (erweitert) · Wert: Ein oder Aus · Wirkung: Zeichnet bei unbeaufsichtigten Fehlläufen die letzten 60 Sekunden auf.

Feld in der Aktion: Asynchronous Pattern (Einstellungen) · Wert: Ein oder Aus · Wirkung: Steuert, ob ein Abbruch des Cloud-Flows den Desktop-Flow beendet.

Wie Daten zwischen Cloud-Flow und Desktop-Flow fließen

Eingabevariablen tragen Daten in den Desktop-Flow hinein, Ausgabevariablen tragen Ergebnisse zurück in die Cloud.

Im Desktop-Designer legen Sie beide über das Plus-Zeichen im Variablenbereich an. Pflichtfelder sind Variablenname, Datentyp und Externer Name. Der externe Name ist der, den Sie später im Cloud-Flow sehen.

Zwei Grenzen sollten Sie kennen. Die Eingabegröße pro Desktop-Flow liegt bei 2 MB, in China-Regionen bei 1 MB. Enthält eine Eingabe ein Kennwort, markieren Sie die Variable als vertraulich.

Im Cloud-Flow lesen Sie eine Ausgabevariable über den Ausdruckseditor aus. Benennen Sie die Aktion vorher kurz um, sonst wird der Ausdruck unlesbar. Leerzeichen werden dabei zu Unterstrichen.

1body('Desktop_Flow_Rechnung')?['Rechnungsnummer']
2
3if(empty(body('Desktop_Flow_Rechnung')?['Rechnungsnummer']), 'ohne Nummer', body('Desktop_Flow_Rechnung')?['Rechnungsnummer'])

Der Schlüssel in den eckigen Klammern ist der externe Name der Ausgabevariablen. Der zweite Ausdruck fängt den Fall ab, dass der Desktop-Flow nichts zurückgibt.

Wenn Sie Läufe außerhalb des Designers auswerten wollen, hilft die Dataverse-Tabelle flowsessions. Sie speichert jeden Desktop-Flow-Lauf samt Ausgaben.

1Authorization: Bearer eyJ0eXAiOi...
2Accept: application/json
3
4GET https://[Organization URI]/api/data/v9.2/flowsessions([Flow session ID])?$select=statuscode,statecode,startedon,completedon HTTP/1.1
1Authorization: Bearer eyJ0eXAiOi...
2Accept: application/json
3
4GET https://[Organization URI]/api/data/v9.2/flowsessions([Flow session ID])/outputs/$value HTTP/1.1

Die zweite Anfrage liefert die Ausgaben als flaches JSON-Objekt zurück, etwa {"Output1": "My output value"}. Quelle: Mit Desktop-Flows über Code arbeiten.

Attended oder unattended: welcher Modus wann passt

Der Modus entscheidet über den nötigen Sitzungszustand der Maschine und damit über die gesamte Architektur.

Merkmal | Beaufsichtigt (attended) | Unbeaufsichtigt (unattended)

Merkmal: Sitzung auf der Maschine · Beaufsichtigt (attended): angemeldet und entsperrt · Unbeaufsichtigt (unattended): alle Benutzer abgemeldet

Merkmal: Start · Beaufsichtigt (attended): meist manuell durch eine Person · Unbeaufsichtigt (unattended): vollautomatisch durch den Cloud-Flow

Merkmal: Anmeldung · Beaufsichtigt (attended): die laufende Sitzung wird genutzt · Unbeaufsichtigt (unattended): Power Automate öffnet eine RDP-Sitzung

Merkmal: Bildschirm · Beaufsichtigt (attended): sichtbar, Zwischeneingriffe möglich · Unbeaufsichtigt (unattended): bleibt gesperrt

Merkmal: Lizenz · Beaufsichtigt (attended): reguläre Power-Automate-Lizenz · Unbeaufsichtigt (unattended): zusätzlich Power-Automate-Prozess-Plan

Merkmal: Windows 10 und 11 · Beaufsichtigt (attended): funktioniert · Unbeaufsichtigt (unattended): scheitert, solange eine Sitzung existiert

Mischen Sie beide Modi nicht auf derselben Maschine. Die Anforderungen an den Sitzungszustand widersprechen sich direkt.

Zwei weitere Punkte aus der Dokumentation zu unbeaufsichtigten Desktop-Flows: Unbeaufsichtigte Läufe können nicht mit erhöhten Rechten arbeiten. Audiogeräte, Kameras und Webcams werden nicht unterstützt.

Welcher Verbindungstyp zu welchem Modus passt

Die Wahl des Verbindungstyps legt fest, ob unbeaufsichtigte Läufe überhaupt möglich sind.

Verbindungstyp | Anmeldedaten | Unbeaufsichtigt möglich | Typischer Einsatz

Verbindungstyp: Mit Benutzername und Kennwort · Anmeldedaten: Domäne, Benutzername, Kennwort oder gespeicherte Anmeldeinformationen aus Azure Key Vault · Unbeaufsichtigt möglich: ja · Typischer Einsatz: Produktivbetrieb rund um die Uhr

Verbindungstyp: Mit Anmeldedaten für beaufsichtigte Ausführungen · Anmeldedaten: Microsoft-Entra-Anmeldung, kein Kennwort in der Verbindung · Unbeaufsichtigt möglich: nein · Typischer Einsatz: Organisationen ohne gespeicherte Kennwörter

Eine Desktop-Flow-Verbindung lässt sich nicht mit anderen Personen teilen. Prüfen Sie außerdem vor der Freigabe einer Maschine, ob sie abgesichert ist und ihre Administratoren vertrauenswürdig sind. Quelle: Desktop-Flow-Verbindungen verwalten.

Welche Grenzen Sie einplanen sollten

Drei dokumentierte Grenzen betreffen den produktiven Betrieb unmittelbar.

  • Pro Verbindung sind bis zu 70 Desktop-Flow-Ausführungen pro Minute möglich. Bei höherem Bedarf verteilen Sie die Last über mehrere Verbindungen oder eine Computergruppe.
  • Ein Abbruch des übergeordneten Cloud-Flows stoppt den Desktop-Flow nicht, wenn Asynchronous Pattern in den Aktionseinstellungen deaktiviert ist.
  • Videoprotokolle für unbeaufsichtigte Fehlläufe brauchen Power Automate für Desktop ab Version 2.66. Die Aufzeichnungen liegen unter %localappdata%\Microsoft\Power Automate Desktop\VideoLogs.

Typische Fehler und Ursachen

Die folgenden fünf Fehlerbilder decken den größten Teil der Störungen ab.

1. `AttendedUserNotLoggedIn` oder `AttendedUserSessionNotActive`. Ursache ist eine fehlende oder gesperrte Sitzung des Verbindungskontos auf der Zielmaschine. Melden Sie sich mit genau diesem Konto an und lassen Sie die Sitzung entsperrt. Prüfen Sie zusätzlich, ob NT SERVICE\UIFlowService in der Gruppe Remotedesktopbenutzer steht. Quelle: Fehler in der Desktop-Flow-Warteschlange beheben.

2. `ConnectionNotEstablished` oder `NoListenerConnected`. Die Maschine gilt als offline. Ursache sind meist Proxy- oder Firewallregeln, die Azure Relay blockieren, oder ein Dienstkonto ohne Netzwerkzugriff. Geben Sie die Endpunkte frei und prüfen Sie den Status im Portal. Quelle: Probleme mit der direkten Konnektivität.

3. `WindowsIdentityIncorrect` oder Fehler -1073741715. Das Format des Benutzernamens passt nicht zum Beitrittszustand der Maschine. Bei Entra-Beitritt gilt benutzer@domain.com, bei reinem Domänenbeitritt DOMAIN\benutzer. Windows-Hello-PINs werden nicht unterstützt. Quelle: Fehler wegen ungültiger Anmeldeinformationen.

4. `UIFlowAlreadyRunning`. Auf der Maschine läuft bereits ein Desktop-Flow oder die Zahl aktiver Sitzungen ist erschöpft. Warten Sie den laufenden Ablauf ab oder brechen Sie dessen übergeordneten Cloud-Flow ab. Quelle: Fehler in der Desktop-Flow-Warteschlange beheben.

5. Ein UI-Element wird nur im unbeaufsichtigten Modus nicht gefunden. Die RDP-Sitzung nutzt eine andere Bildschirmauflösung als der Designer. Setzen Sie die Auflösung für den unbeaufsichtigten Modus fest. Quelle: Unbeaufsichtigte Desktop-Flows ausführen.

Sie planen den Sprung von Cloud-Automatisierung zu RPA auf dem Desktop? Dabei unterstützen wir Sie mit unseren Power-Automate-Leistungen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Cloud-Flow und einem Desktop-Flow?

Ein Cloud-Flow läuft auf den Servern von Microsoft und spricht Dienste über Konnektoren an. Ein Desktop-Flow läuft auf einem Windows-Computer und bedient Anwendungen per Klick, Tastatur oder Bildschirmerkennung. Die Aktion Ablauf ausführen verbindet beide Ebenen.

Wie viele Desktop-Flow-Ausführungen sind pro Verbindung möglich?

Microsoft unterstützt derzeit bis zu 70 Ausführungen pro Minute je Verbindung. Bei höherem Durchsatz verteilen Sie die Last über mehrere Verbindungen oder eine Computergruppe.

Kann ich Attended- und Unattended-Läufe auf derselben Maschine mischen?

Nein, sinnvoll ist das nicht. Beaufsichtigte Läufe brauchen eine angemeldete, entsperrte Sitzung. Unbeaufsichtigte Läufe brauchen eine Maschine ohne aktive Sitzung. Unter Windows 10 und 11 verhindert eine bestehende Sitzung den unbeaufsichtigten Start.

Was passiert, wenn ich den übergeordneten Cloud-Flow abbreche?

Der Desktop-Flow läuft weiter, solange Asynchronous Pattern in den Aktionseinstellungen deaktiviert ist. Beide Ebenen sind also nicht automatisch gekoppelt. Berücksichtigen Sie das beim Entwurf.

Brauche ich für unbeaufsichtigte Desktop-Flows eine zusätzliche Lizenz?

Ja. Zusätzlich zur regulären Lizenz ist der Power-Automate-Prozess-Plan beziehungsweise das Unattended-Add-on nötig. Die Lizenz muss bei der Person liegen, die die Desktop-Flow-Verbindung erstellt hat.

Simon Glowik, Gründer von NordFlux
Über den Autor

Gründer von NordFlux. Sieben Jahre Erfahrung von Web und SEO bis zur Automatisierung im Konzern-Maßstab, heute pragmatisch für den Mittelstand und mit deutscher Datenhoheit.

Zertifizierungen

  • Microsoft zertifiziert — PL-900 und AZ-900
  • UiPath zertifiziert — Automation Developer Associate
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