Forschungszulage für KI-Projekte: 35 Prozent zurück, aber nicht für jede KI
Die Forschungszulage erstattet KMU 35 % ihrer Entwicklungskosten als Steuergutschrift. Wann ein KI-Projekt als Forschung zählt und wann nicht.
Das EU-Programm Digitales Europa fördert KI-Projekte im Mittelstand mit bis zu 75 Prozent. Was dahintersteckt und wie es BAFA und Landesförderung ergänzt.

Die meisten Betriebe im Mittelstand kennen die BAFA-Förderung und die Digitalisierungszuschüsse der Länder. Die EU-Ebene bleibt dabei fast immer außen vor. Dabei gibt es mit dem Programm Digitales Europa eine EU-Förderung für KI-Projekte im Mittelstand, die bis 2027 läuft und Zuschüsse von bis zu 75 Prozent ermöglicht. Wer das Programm kennt, ergänzt Bund und Land um eine dritte Geldquelle.
Digitales Europa (DIGITAL) ist das EU-Förderprogramm für die digitale Transformation von Wirtschaft und Verwaltung, ausgestattet mit rund 8,1 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 bis 2027 (Europäische Kommission). Davon sind etwa 2,1 Milliarden Euro gezielt für künstliche Intelligenz vorgesehen (Bundeskanzleramt Österreich). Das Programm baut gemeinsame Rechenkapazität, Datenräume und Algorithmen auf, die Unternehmen und Behörden nutzen können. Anders als die klassische Beratungsförderung zahlt es nicht einzelne Beratungstage, sondern setzt auf Infrastruktur und den breiten Einsatz von Technologie im Betrieb.
Digitales Europa fördert KI im Mittelstand mit bis zu 75 Prozent Zuschuss und weitgehend kostenlosen Innovation-Hubs. Es ist die EU-Ebene über BAFA und Landesförderung, nicht ihr Ersatz.
Für kleine und mittlere Unternehmen liegt die Förderquote je nach Zuschussart bei bis zu 75 Prozent, der Eigenanteil sinkt damit auf 25 Prozent. Welcher Satz gilt, hängt vom Antragstyp ab:
Diese Sätze bestätigt auch die Bayerische Forschungsallianz in ihrer Programmübersicht (BayFOR). Der Zuschuss fließt in aller Regel nicht an ein einzelnes Unternehmen allein, sondern über Konsortien oder über die Hubs, was den Zugang für kleinere Betriebe eher erleichtert als erschwert.
Das Programm fördert nicht den Kauf einer Software, sondern den Aufbau von KI-Fähigkeiten und deren Erprobung im echten Betrieb. Die fünf Schwerpunkte lauten:
Der praktischste Zugang zum Programm sind die European Digital Innovation Hubs, kurz EDIH: In Deutschland gibt es rund 16 dieser Anlaufstellen, deren Angebote zum Großteil kostenfrei sind (BayFOR). Ein Hub arbeitet als One-Stop-Shop mit vier Leistungsbereichen. Der wichtigste heißt Test before Invest: In einer Laborumgebung probieren Sie eine KI-Idee mit Fachleuten aus, bevor Sie eigenes Geld binden. Dazu kommen Weiterbildung, Hilfe beim Zugang zu Finanzierung und der Anschluss an ein Netzwerk aus Forschung und anderen Betrieben. Für ein KMU, das erst herausfinden will, ob sich ein KI-Projekt lohnt, ist das oft der günstigste erste Schritt überhaupt.
Digitales Europa liegt eine Ebene über der nationalen Förderung und schließt sie nicht aus, sondern deckt andere Phasen ab. Die BAFA-Förderung und Landesprogramme zahlen typischerweise die konkrete Beratung und Umsetzung in Ihrem Haus. Die EU-Ebene finanziert die Vorstufe, also Erprobung, Infrastruktur und Kompetenzaufbau über die Hubs. Wer ein KI-Vorhaben plant, kann beides verbinden: erst kostenfrei im EDIH testen, dann die geförderte Umsetzung mit einem Beratungsprogramm auf Bundes- oder Landesebene. Wichtig bleibt dabei der rechtliche Rahmen, etwa der EU AI Act für KMU, der unabhängig von der Förderquelle gilt.
Für die meisten Betriebe ist der sinnvolle Einstieg ein klar umrissener Anwendungsfall, kein großes Programm. In unseren Projekten beginnen wir deshalb mit einem einzelnen, messbaren Engpass, etwa der automatischen Bearbeitung wiederkehrender E-Mail-Anfragen mit n8n, und klären parallel, welche Förderebene dazu passt. Ein EDIH-Test kostet nichts und liefert eine ehrliche Antwort, ob sich der Aufwand lohnt. Wie so ein Vorhaben von der Idee zum laufenden KI-Agenten wird, begleiten wir Schritt für Schritt. Dieser Beitrag ist eine Orientierung, keine Förder- oder Rechtsberatung: Die verbindliche Prüfung im Einzelfall gehört an die zuständige Stelle.
Das Programm ist Teil des mehrjährigen EU-Finanzrahmens und läuft bis Ende 2027. Innerhalb dieses Zeitraums werden die Fördermittel über regelmäßige Arbeitsprogramme und Aufrufe vergeben, die Fristen unterscheiden sich also je Ausschreibung.
Ja. Der einfachste Weg für ein KMU führt nicht über einen eigenen Antrag, sondern über einen European Digital Innovation Hub. Dessen Leistungen wie Test before Invest sind meist kostenfrei und setzen keinen eigenen Förderantrag voraus.
Nein. Beide Ebenen decken unterschiedliche Phasen ab. Die EU-Ebene fördert Erprobung und Infrastruktur, die BAFA-Förderung die konkrete Beratung und Umsetzung. In der Praxis lassen sie sich hintereinander kombinieren, sofern dieselben Kosten nicht doppelt gefördert werden.
Bei einfachen Zuschüssen sind es 50 Prozent der förderfähigen Kosten, bei speziellen KMU-Support-Aktionen bis zu 75 Prozent. Der Eigenanteil liegt damit im günstigsten Fall bei 25 Prozent.
Gründer von NordFlux. Sieben Jahre Erfahrung von Web und SEO bis zur Automatisierung im Konzern-Maßstab, heute pragmatisch für den Mittelstand und mit deutscher Datenhoheit.
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