Performance-Tuning für Power-Automate-Flows
Drei Hebel für schnellere Power-Automate-Flows: gezielte Parallelität, weniger Aktionen und die richtige Connector-Wahl, laut Microsoft-Doku.
Service-Account oder Service Principal für produktive Power-Automate-Flows: Entscheidungshilfe aus der Microsoft-Dokumentation.
Wenn ein Flow produktiv läuft, entscheidet die Wahl der zugrunde liegenden Identität darüber, ob er auch dann weiterläuft, wenn eine Kollegin krank ist, ein Passwort abläuft oder jemand das Unternehmen verlässt. Genau hier stellt sich in Power Automate immer wieder dieselbe Frage: Soll ein Flow unter einem klassischen Service-Account laufen, also einem geteilten Benutzerkonto, oder unter einem Service Principal, also einer eigenständigen, nicht-menschlichen Identität in Microsoft Entra ID?
Die kurze Antwort aus der offiziellen Dokumentation ist eindeutig: Microsoft empfiehlt für geschäftskritische, produktive Flows den Service Principal und stuft den klassischen Service-Account ausdrücklich nicht als Best Practice ein. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf beide Modelle, weil sie technisch unterschiedlich funktionieren und unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.
Ein Service-Account ist laut der Microsoft-Dokumentation zur Power-Automate-Lizenzierung ein ganz normales Microsoft-Entra-Benutzerkonto, das zweckentfremdet wird, um eine nicht-menschliche Entität wie eine Anwendung oder einen Dienst darzustellen. In der Praxis heißt das: Ein Team legt ein Konto wie flow-produktion@firma.de an, gibt das Passwort an mehrere Kolleginnen und Kollegen weiter, und dieses Konto besitzt dann die produktiven Flows.
Das Problem dabei benennt Microsoft direkt: Haben mehrere Personen Zugriff auf dasselbe Konto, lässt sich kaum noch nachvollziehen, wer welche Änderung an einem Flow vorgenommen hat. Dazu kommt die Passwortverwaltung als Dauerthema, etwa bei erzwungenen Kennwortwechseln oder Multi-Faktor-Anmeldungen. Microsoft rät deshalb ausdrücklich, bestehende Service-Accounts regelmäßig auf ihre Berechtigungen zu prüfen, den Kreis der Zugriffsberechtigten möglichst klein zu halten und für unterschiedliche Szenarien getrennte Konten zu verwenden, um die Angriffsfläche zu reduzieren. In manchen Fällen wird ein Service-Account genutzt, um einen Flow unabhängig vom ursprünglichen Ersteller zu machen. Genau für diesen Zweck empfiehlt Microsoft aber ausdrücklich den Wechsel zum Service Principal.
Ein Service Principal ist laut der Microsoft-Dokumentation zur Unterstützung von Flows im Besitz eines Dienstprinzipals eine nicht-menschliche Sicherheitsidentität, die eine Anwendung oder einen Dienst repräsentiert und eigenständig Ressourcen in Azure und der Power Platform besitzen und verwalten kann. Technisch steckt dahinter eine Microsoft-Entra-App-Registrierung. Damit ein Service Principal in der Power Platform überhaupt Flows besitzen kann, muss zunächst ein sogenannter Anwendungsbenutzer angelegt werden, entweder über das Power-Platform-Admin-Center oder über die API.
Ist dieser Anwendungsbenutzer eingerichtet, lässt sich ihm der Besitz eines Cloud-Flows übertragen: Im Flow öffnen Sie den Bereich Details, wählen Bearbeiten und ersetzen den Besitzenden durch den Namen des Anwendungsbenutzers. Wichtig dabei: Ein Service Principal kann laut Dokumentation nicht Mitbesitzer eines Flows werden, sondern ausschließlich alleiniger Besitzer. Bei einem Flow außerhalb einer Lösung müssen zusätzlich alle verwendeten Verbindungen explizit für den Anwendungsbenutzer freigegeben werden, bei einem Lösungsflow entfällt dieser Schritt.
Für die tägliche Praxis lässt sich die Entscheidung an klaren Kriterien festmachen, wie sie auch die Microsoft-Dokumentation zum Zugriff auf Power-Automate-Flows beschreibt:
Ein Service Principal, der einen Flow besitzt, gilt in Power Automate als nicht-interaktiver Anwendungsbenutzer und kann deshalb keine reguläre Benutzerlizenz erhalten. Stattdessen gelten eigene, nicht-lizenzierte Anfragelimits, und sobald der Flow Premium-Konnektoren nutzt, braucht er eine Power-Automate-Process-Lizenz oder eine Lizenz pro Flow, alternativ die Mitgliedschaft in einer entsprechend lizenzierten Flow-Gruppe.
Beim klassischen Service-Account greift dagegen die reguläre Lizenzlogik für Benutzerkonten, ergänzt um eine Sonderregel gegen sogenanntes Multiplexing: Teilen sich mehrere Personen die Zugangsdaten eines Service-Accounts und nutzt der Flow Premium-Funktionen, empfiehlt die Dokumentation eine Prozesslizenz für den Flow, sobald viele unterschiedliche Personen den Account verwenden, damit neu hinzukommende Nutzer automatisch lizenzkonform bleiben. Nicht zu verwechseln ist der Service-Account dabei mit den nicht-interaktiven Benutzerkonten, die Dataverse für Hintergrundprozesse wie Datenmigrationen vorsieht: Davon sind pro Mandant maximal sieben erlaubt, und Power Automate selbst unterstützt diesen speziellen Kontotyp laut Dokumentation bisher nicht als Flow-Besitzer.
Wer aus der Azure-Welt kommt, denkt bei nicht-menschlichen Identitäten schnell an Managed Identities, also system- oder benutzerseitig zugewiesene Identitäten, die Anmeldedaten komplett überflüssig machen. Für Power-Automate-Cloud-Flows ist dieses Konzept bislang aber keine direkte Option: Managed Identities sind vor allem in Azure Logic Apps verankert, wo bestimmte integrierte und verwaltete Konnektoren wie Azure Key Vault, Azure Blob Storage oder Azure SQL darüber authentifiziert werden können. In Power Automate selbst übernimmt der Service Principal die vergleichbare Aufgabe, einem Flow eine stabile, von einzelnen Personen unabhängige Identität zu geben. Wer Flows und Logic Apps parallel betreibt, sollte diesen Unterschied im Kopf behalten, statt beide Konzepte gedanklich gleichzusetzen.
Der Wechsel läuft in drei Schritten ab: Zuerst legen Sie in Microsoft Entra ID eine App-Registrierung an und erstellen daraus in der Power Platform einen Anwendungsbenutzer. Anschließend teilen Sie alle Verbindungen, die der Flow verwendet, explizit mit diesem Anwendungsbenutzer, sofern es sich nicht um einen Lösungsflow handelt. Zum Schluss ändern Sie im Flow den Besitzenden auf den neuen Anwendungsbenutzer und schalten den Flow wieder ein. Planen Sie für diesen letzten Schritt einen kurzen Testlauf ein, bevor der bisherige Service-Account deaktiviert wird, damit produktive Prozesse nicht ins Leere laufen.
Wer den Umstieg mehrerer produktiver Flows von Service-Accounts auf Service Principals nicht allein durchziehen möchte, findet dabei Unterstützung im Power-Automate-Angebot von NordFlux, von der Einrichtung der App-Registrierung bis zur Absicherung der Lizenz- und Berechtigungsstruktur. So behalten Sie auch bei wachsender Flow-Landschaft die Kontrolle darüber, wer welche Automatisierung besitzt und betreibt.
Verboten nicht, aber Microsoft stuft ihn ausdrücklich nicht als Best Practice ein. Für unternehmenskritische oder langlaufende Flows empfiehlt die Dokumentation stattdessen klar den Service Principal, weil dieser nicht von einzelnen Personen oder geteilten Passwörtern abhängt.
Nein. Laut Dokumentation kann ein Service-Principal-Anwendungsbenutzer ausschließlich alleiniger Besitzer eines Flows sein, nicht Mitbesitzer. Im Bearbeitungsdialog für Mitbesitzende taucht er deshalb gar nicht erst auf.
Ein Service Principal ist ein nicht-interaktiver Anwendungsbenutzer und kann deshalb keine reguläre Benutzerlizenz erhalten. Sobald der Flow Premium-Konnektoren nutzt, braucht er stattdessen eine Power-Automate-Process-Lizenz oder eine Lizenz pro Flow beziehungsweise die Mitgliedschaft in einer passend lizenzierten Flow-Gruppe.
Nicht direkt für den Besitz eines Cloud-Flows. Managed Identities sind in erster Linie ein Konzept von Azure Logic Apps für die Authentifizierung gegenüber bestimmten Azure-Ressourcen. In Power Automate übernimmt der Service Principal die vergleichbare Rolle einer stabilen, nicht-menschlichen Flow-Identität.
Verbindungen gehören nicht automatisch zum neuen Besitzenden. Handelt es sich um einen Flow außerhalb einer Lösung, müssen Sie alle verwendeten Verbindungen zusätzlich explizit für den neuen Service-Principal-Anwendungsbenutzer freigeben, sonst schlägt die Ausführung fehl. Bei einem Lösungsflow ist dieser Schritt laut Dokumentation nicht erforderlich.
Gründer von NordFlux. Sieben Jahre Erfahrung von Web und SEO bis zur Automatisierung im Konzern-Maßstab, heute pragmatisch für den Mittelstand und mit deutscher Datenhoheit.
Zertifizierungen
Drei Hebel für schnellere Power-Automate-Flows: gezielte Parallelität, weniger Aktionen und die richtige Connector-Wahl, laut Microsoft-Doku.
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