Azure OpenAI im Flow (Premium)
Azure-OpenAI-Connector in Power Automate: Voraussetzungen, Premium-Lizenzpflicht und warum die Azure-Kosten getrennt von der Lizenz anfallen.
Wer bereits eine eigene Azure-OpenAI-Ressource betreibt, muss für den Einsatz in Power Automate nicht auf AI Builder umsteigen. Microsoft stellt dafür einen eigenen Connector bereit, der Deine Flows direkt mit Deiner Azure-OpenAI-Bereitstellung verbindet, inklusive Chat-Completions, Embeddings und optionaler Anbindung an eigene Daten über Azure AI Search. Der Connector gehört allerdings zur Premium-Klasse, was sowohl bei der Power-Automate-Lizenz als auch bei den laufenden Azure-Kosten Konsequenzen hat.
Dieser Artikel zeigt, was der Azure-OpenAI-Connector in Power Automate leistet, welche Voraussetzungen Du vor dem ersten Flow schaffen musst, wie die Premium-Lizenzpflicht in der Praxis wirkt und warum die Azure-Rechnung getrennt von der Power-Automate-Lizenz läuft. Grundlage sind die offizielle Connector-Referenz und die Lizenzierungs-Dokumentation von Microsoft.
Was der Azure-OpenAI-Connector in Power Automate leistet
Der Azure-OpenAI-Connector ist ein Microsoft-eigener Connector und laut Connector-Referenz in Power Automate und Power Apps als Premium eingestuft, in Copilot Studio ebenfalls Premium und in Logic Apps als Standard. Verfügbar ist er in praktisch allen Power-Automate-Regionen, ausgenommen sind US Government (GCC), US Government (GCC High), die von 21Vianet betriebene China Cloud und das US Department of Defense (DoD).
Der Connector bietet laut Dokumentation vier Aktionen:
- Erstellt eine Vervollständigung für die Chatnachricht: klassische Chat-Completion gegen ein bereitgestelltes Modell, mit Parametern wie Temperature, Top-P, Max Tokens, Presence- und Frequency-Penalty.
- Get an embedding: Vektordarstellung für einen einzelnen Eingabetext, etwa für Ähnlichkeitssuche oder Klassifizierung.
- Get multiple embeddings: dieselbe Funktion für ein Array von Eingabetexten in einem Aufruf.
- Using extensions to create a completion for chat messages: Chat-Completion mit Erweiterungen, über die sich eigene Daten aus Azure AI Search als Kontext einbinden lassen, das sogenannte „On Your Data"-Szenario.
Für die Praxis heißt das: Ein Flow kann eingehende Texte, etwa aus einem Formular oder einer E-Mail, direkt an Dein eigenes Azure-OpenAI-Deployment schicken und die Antwort im nächsten Schritt weiterverarbeiten, ohne Umweg über einen Drittanbieter-Connector.
Voraussetzungen, bevor der erste Flow läuft
Bevor der Connector nutzbar ist, müssen laut Connector-Referenz mehrere Dinge stehen:
- Ein aktives Azure-Abonnement.
- Zugriff auf Azure OpenAI selbst, der Dienst erfordert eine Registrierung und ist nur für freigegebene Unternehmenskunden und Partner verfügbar.
- Eine angelegte Azure-OpenAI-Ressource in einer unterstützten Region mit einem unterstützten Modell, wofür mindestens die Rolle Cognitive Services Contributor auf der Ressource zugewiesen sein muss.
- Optional, für die On-Your-Data-Szenarien: eine Azure-AI-Search-Ressource mit passend vorbereiteten Daten.
Diese Vorarbeit liegt komplett im Azure-Portal und hat mit Power Automate selbst noch nichts zu tun. Erst wenn die Ressource steht, lässt sich im Flow eine Verbindung dazu aufbauen.
Verbindung aufbauen: API-Key oder Managed Identity
Laut Connector-Referenz unterstützt der Azure-OpenAI-Connector drei Authentifizierungsarten:
- API-Schlüssel: Du hinterlegst den Namen der Azure-OpenAI-Ressource und den API-Schlüssel, optional dazu Endpunkt-URL und Schlüssel für Azure AI Search. Diese Verbindung ist in allen Regionen nutzbar und lässt sich mit anderen Nutzenden teilen.
- Managed Identity: Anmeldung über eine verwaltete Identität, laut Dokumentation aktuell nur für Logic Apps verfügbar, ebenfalls teilbar.
- Standard (veraltet): die alte Verbindungsart ohne expliziten Authentifizierungstyp, nur aus Kompatibilitätsgründen vorhanden und nicht teilbar, jede Person muss beim Teilen eine eigene Verbindung anlegen.
Für neue Flows ist der API-Schlüssel in der Regel die praktikabelste Variante, weil sie in allen Regionen funktioniert und sich als Verbindung im Team teilen lässt, ohne dass jede Kollegin oder jeder Kollege eine eigene anlegen muss.
Premium-Lizenzpflicht: Wer im Team was braucht
Weil der Connector als Premium klassifiziert ist, greift die reguläre Power-Automate-Lizenzierung für Premium-Connectors. Laut Power-Automate-Lizenztypen ist die Berechtigung für Premium-Connectors in der Power Automate Premium-Benutzerlizenz, der Power Automate Process-Lizenz und der Power Automate Hosted Process-Lizenz enthalten. Die kostenlose Power-Automate-Lizenz deckt dagegen nur Standard-Connectors ab, ein Flow mit dem Azure-OpenAI-Connector läuft damit nicht.
Wie sich das konkret auswirkt, hängt laut den Power-Automate-Lizenzierungs-FAQ vom Flow-Typ ab:
- Automatisierte und geplante Flows laufen im Lizenzkontext der Besitzerin oder des Besitzers, unabhängig davon, wer den Flow auslöst oder welche Verbindungen darin verwendet werden. Nutzt so ein Flow den Azure-OpenAI-Connector, braucht nur die Eigentümerperson eine Premium-Lizenz.
- Instant Flows, also per Button oder manuellem Trigger gestartete Flows, laufen im Kontext der auslösenden Person. Enthält der Flow den Azure-OpenAI-Connector, braucht jede Person, die ihn manuell startet, selbst eine Premium-Lizenz.
- Statt jede einzelne Person zu lizenzieren, lässt sich ein Flow stattdessen mit einer Process-Lizenz ausstatten. Dann läuft er unabhängig davon, ob die einzelnen Nutzenden eine Premium-Lizenz besitzen, was sich vor allem bei Flows lohnt, die von vielen Personen im Team gestartet werden.
Für ein Team, das den Azure-OpenAI-Connector in einem geteilten, manuell gestarteten Flow einsetzen will, bedeutet das in der Praxis: entweder bekommt jede beteiligte Person eine Premium-Lizenz, oder der Flow selbst wird mit einer Process-Lizenz ausgestattet. So behältst Du die Kontrolle darüber, wer den Connector tatsächlich nutzen darf, statt die Lizenzfrage erst beim ersten Fehler im Flow zu klären.
Azure-Kosten kommen zur Power-Automate-Lizenz hinzu
Die Premium-Lizenz deckt nur den Zugriff auf den Connector innerhalb von Power Automate ab. Die eigentliche Nutzung des Sprachmodells läuft über Deine Azure-OpenAI-Ressource und wird getrennt über Dein Azure-Abonnement abgerechnet, verbrauchsbasiert nach der jeweiligen Modell-Bereitstellung. Diese Kosten entstehen unabhängig davon, ob der Aufruf aus Power Automate, aus einer Logic-App oder aus einer eigenen Anwendung kommt, denn abgerechnet wird auf Ebene der Azure-Ressource, nicht auf Ebene des Connectors.
Für die Planung sind zwei Punkte aus der Connector-Referenz besonders relevant:
- Der Zugang zu Azure OpenAI selbst muss beantragt werden und ist nicht automatisch mit jedem Azure-Abonnement verfügbar, das solltest Du frühzeitig einplanen, bevor ein Projekttermin davon abhängt.
- Die Drosselungsgrenze liegt bei 1.000 API-Aufrufen pro Verbindung und 60 Sekunden. Bei Flows mit hohem Volumen, etwa Massenverarbeitung von Dokumenten, lohnt sich ein Blick auf mehrere Verbindungen oder eine Bündelung von Anfragen, um nicht an dieses Limit zu stoßen.
Wer beide Kostenblöcke, Power-Automate-Premium-Lizenz und Azure-OpenAI-Verbrauch, von Anfang an getrennt kalkuliert, vermeidet böse Überraschungen bei der ersten Azure-Rechnung nach dem Go-Live.
Bekannte Einschränkungen
Die Connector-Referenz nennt drei Einschränkungen, die Du vor dem Bau eines Flows kennen solltest:
- Als Datenquelle für die On-Your-Data-Funktion wird ausschließlich Azure AI Search unterstützt, andere Vektordatenbanken lassen sich über diesen Connector nicht anbinden.
- Function Calling wird vom Connector nicht unterstützt.
- Bilder werden in den Nachrichteninhalten nicht unterstützt, der Connector ist auf reine Textinteraktion ausgelegt.
Wer eines dieser Szenarien zwingend braucht, etwa Function Calling für strukturierte Rückgaben, muss auf einen benutzerdefinierten Connector gegen die Azure-OpenAI-REST-API ausweichen.
Bei NordFlux bauen wir Azure-OpenAI-Anbindungen im Rahmen der Power-Automate-Beratung so auf, dass Lizenz- und Azure-Kosten von Anfang an transparent sind, statt erst nach dem ersten produktiven Flow sichtbar zu werden.
Häufige Fragen
Brauche ich für den Azure-OpenAI-Connector zwingend eine Premium-Lizenz?
Ja. Der Connector ist als Premium eingestuft, damit greift die reguläre Premium-Connector-Lizenzierung von Power Automate. Die kostenlose Lizenz deckt nur Standard-Connectors ab und reicht für den Azure-OpenAI-Connector nicht aus.
Reicht eine einzelne Premium-Lizenz für den ganzen Flow?
Das kommt auf den Flow-Typ an. Bei automatisierten oder geplanten Flows reicht die Premium-Lizenz der Eigentümerperson. Bei manuell gestarteten Instant Flows braucht dagegen jede auslösende Person eine eigene Premium-Lizenz, sofern der Flow nicht stattdessen mit einer Process-Lizenz ausgestattet ist.
Zahle ich mit der Power-Automate-Premium-Lizenz auch die Azure-OpenAI-Nutzung?
Nein. Die Premium-Lizenz bezahlt nur den Zugriff auf den Connector in Power Automate. Die tatsächliche Modellnutzung läuft über Deine Azure-OpenAI-Ressource und wird separat über das Azure-Abonnement verbrauchsbasiert abgerechnet.
Kann ich mit dem Connector eigene Unternehmensdaten als Kontext nutzen?
Ja, über die Aktion für Erweiterungen bei Chat-Completions lässt sich eigenes Datenmaterial einbinden, allerdings laut Connector-Referenz ausschließlich über eine angebundene Azure-AI-Search-Ressource als Datenquelle. Andere Vektordatenbanken unterstützt der Connector aktuell nicht.
Was passiert, wenn ein Flow das Drosselungslimit erreicht?
Die Drosselungsgrenze liegt bei 1.000 API-Aufrufen pro Verbindung innerhalb von 60 Sekunden. Wird sie überschritten, blockiert die Verbindung weitere Aufrufe, bis das Zeitfenster abläuft. Bei hohem Volumen hilft es, Anfragen zu bündeln oder mehrere Verbindungen für unterschiedliche Flows anzulegen.
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