Zeitzonen und deutsches Datumsformat in Power Automate
Power Automate zeigt UTC-Zeiten im US-Format? So wandelst du mit convertTimeZone und formatDateTime ins deutsche dd.MM.yyyy-Format um.
Wer in Power Automate schon einmal eine E-Mail mit einem Termin verschickt hat, kennt das Problem: Der Flow zeigt eine Uhrzeit an, die um mehrere Stunden von der tatsächlichen deutschen Ortszeit abweicht, und das Datum steht im amerikanischen Format da, Monat vor Tag statt Tag vor Monat. Das liegt daran, dass Power Automate intern standardmäßig mit der koordinierten Weltzeit UTC rechnet und viele Connectoren Zeitstempel im ISO-8601-Format ohne Zeitzonen-Umrechnung durchreichen.
Für Empfänger in Deutschland, Österreich oder der Schweiz führt das schnell zu Missverständnissen, etwa wenn aus dem 3. Januar durch die falsche Reihenfolge ein vermeintlicher 1. März wird. Mit den beiden Ausdrucksfunktionen `formatDateTime` und `convertTimeZone` lässt sich das zuverlässig lösen, ganz ohne zusätzlichen Connector oder Drittanbieter-Tool. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie du Zeitstempel in deutsche Zeitzonen umrechnest und im gewohnten Format dd.MM.yyyy ausgibst.
Warum liefert Power Automate UTC-Zeiten im US-Format?
Power Automate verwendet laut der offiziellen Dokumentation zu Datums- und Uhrzeitwerten standardmäßig die koordinierte Weltzeit UTC. Ein Zeitstempel, der auf ein „Z" endet, etwa `2026-07-20T09:30:00Z`, ist bereits ein sicheres Erkennungsmerkmal für UTC. Da unterschiedliche Connectoren zusätzlich unterschiedliche Datumsformate ausgeben, kann es passieren, dass ein und derselbe Flow je nach verwendetem Dienst unterschiedliche Anzeigeformate produziert. Bevor du also formatierst oder konvertierst, lohnt sich ein Blick auf die Rohausgabe: Lass den Flow einmal laufen und prüfe im Verlauf, in welchem Format und in welcher Zeitzone der jeweilige Schritt den Wert tatsächlich liefert.
formatDateTime: Datum ins deutsche Format bringen
Die Funktion `formatDateTime()` nimmt zwei Parameter entgegen: den Zeitstempel und eine Formatzeichenfolge. Bei manueller Eingabe muss der Zeitstempel dem ISO-8601-Format folgen, dynamischer Inhalt aus vorherigen Schritten funktioniert ohne zusätzliche Anführungszeichen. Für die Formatzeichenfolge gibt es zwei Varianten:
- Standardformatzeichenfolgen bestehen aus einem einzelnen Buchstaben, etwa `g` für das allgemeine Kurzformat oder `D` für das ausgeschriebene Langdatum. Sie orientieren sich an der Locale des Flows, meist Englisch (USA), und liefern deshalb häufig ein Format wie „6/15/2009 1:45 PM".
- Benutzerdefinierte Formatzeichenfolgen bestehen aus mehr als einem Zeichen und geben dir die volle Kontrolle über Reihenfolge und Darstellung. Für das gewohnte deutsche Format reicht ein Ausdruck wie:
`formatDateTime(utcNow(), 'dd.MM.yyyy HH:mm')`
Dieser Ausdruck liefert zum Beispiel „20.07.2026 09:30" statt der amerikanischen Schreibweise. Für ein reines Datum ohne Uhrzeit genügt `formatDateTime(utcNow(), 'dd.MM.yyyy')`.
convertTimeZone: UTC in deutsche Ortszeit umrechnen
Ein korrektes Format allein reicht nicht, wenn die zugrunde liegende Uhrzeit noch in UTC vorliegt. Dafür stellt Power Automate laut der Anleitung zum Konvertieren einer Zeitzone sowohl eine grafische Aktion namens „Zeitzone konvertieren" als auch die Ausdrucksfunktion `convertTimeZone` bereit. Die Funktion erwartet vier Parameter: den Zeitstempel, die Ausgangszeitzone, die Zielzeitzone und optional eine Formatzeichenfolge.
Wichtig dabei: Power Automate nutzt für die Zeitzonennamen die Bezeichnungen von Windows, nicht die in anderen Systemen üblichen IANA-Namen wie „Europe/Berlin". Für Deutschland, Österreich und weite Teile der Schweiz lautet der korrekte Wert `W. Europe Standard Time`. Kombiniert mit `formatDateTime` ergibt sich der vollständige Ausdruck, um die aktuelle Zeit in deutscher Ortszeit und deutschem Format auszugeben:
`formatDateTime(convertTimeZone(utcNow(), 'UTC', 'W. Europe Standard Time'), 'dd.MM.yyyy HH:mm')`
Sommerzeit automatisch berücksichtigen
Ein Vorteil der Windows-Zeitzonennamen: `W. Europe Standard Time` kennt den automatischen Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit. Du musst also nicht selbst prüfen, ob gerade UTC+1 oder UTC+2 gilt, die Umrechnung passt sich automatisch an das Datum an. Wenn du einen Zeitstempel stattdessen direkt nach oder von UTC umrechnen willst, ohne eine zweite Zeitzone anzugeben, bieten sich die verwandten Funktionen `convertToUtc` und `convertFromUtc` an, die im selben Referenzhandbuch beschrieben sind.
Ohne Ausdruck arbeiten: Daten nach Beispielen formatieren
Wer sich die Syntax nicht merken möchte, kann alternativ auf das Feature Daten nach Beispielen formatieren zurückgreifen. Im Ausdrucks-Menü eines beliebigen Textfelds wählst du dazu den entsprechenden Menüpunkt, gibst ein Beispiel des ursprünglichen Werts sowie ein Beispiel des gewünschten Zielformats an, und Power Automate schlägt automatisch den passenden Ausdruck vor. Das Feature eignet sich besonders für einmalige Formatierungen, bei denen sich der Aufwand für einen manuell geschriebenen Ausdruck nicht lohnt. Für Arrays oder verschachtelte Strukturen funktioniert es allerdings nicht, hier bleibt `formatDateTime` die zuverlässigere Wahl.
Praxisbeispiel: SharePoint-Termin in deutscher Zeit versenden
Ein typisches Szenario: Eine SharePoint-Liste liefert ein Startdatum im UTC-Format, und der Flow soll per E-Mail eine gut lesbare deutsche Terminangabe verschicken. Im Textfeld der E-Mail-Aktion schreibst du dazu einfach „Der Termin findet am" als normalen Text, fügst an der gewünschten Stelle den folgenden Ausdruck als dynamischen Inhalt ein und ergänzt danach das Wort „Uhr":
`formatDateTime(convertTimeZone(triggerBody()?['Startzeit'], 'UTC', 'W. Europe Standard Time'), 'dd.MM.yyyy HH:mm')`
So kombinierst du beide Funktionen zu einem einzigen Ausdruck: `convertTimeZone` rechnet zuerst die Ortszeit um, `formatDateTime` bringt sie anschließend in das gewünschte deutsche Format. Wer solche Ausdrücke regelmäßig in mehreren Flows braucht, lagert die Formatlogik am besten in eine wiederverwendbare Kindflow-Aktion aus, damit sie nur an einer Stelle gepflegt werden muss.
Wenn deine Flows regelmäßig mit Zeitzonen, Formaten oder anderen Stolperfallen zu kämpfen haben, unterstützt dich die Power-Automate-Beratung von NordFlux beim Aufbau robuster, wartbarer Automatisierungen. Du behältst dabei die Kontrolle über jeden Ausdruck, weil die Logik nachvollziehbar dokumentiert bleibt statt in unzähligen Einzelflows zu verschwinden.
Häufige Fragen
Warum zeigt Power Automate Datumsangaben im Format M/dd/yyyy statt im deutschen dd.MM.yyyy?
Die Standardformatzeichenfolgen von `formatDateTime`, etwa `g` oder `D`, orientieren sich an der Locale des Flows, die meist Englisch (USA) ist. Um das deutsche Format zu erzwingen, verwendest du statt der Standardformatzeichenfolge eine benutzerdefinierte Formatzeichenfolge wie `dd.MM.yyyy HH:mm`.
Welchen Zeitzonennamen verwende ich für Deutschland in convertTimeZone?
Power Automate nutzt die Windows-Zeitzonennamen und nicht die IANA-Bezeichnungen. Für Deutschland, Österreich und weite Teile der Schweiz lautet der korrekte Wert `W. Europe Standard Time`.
Muss ich die Sommerzeit selbst berücksichtigen?
Nein. Die Zeitzone `W. Europe Standard Time` regelt den Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit automatisch anhand des jeweiligen Datums, eine manuelle Unterscheidung zwischen UTC+1 und UTC+2 ist nicht nötig.
Was bedeutet das „Z" am Ende eines Zeitstempels?
Ein Zeitstempel, der mit „Z" endet, etwa `2026-07-20T09:30:00Z`, liegt in der koordinierten Weltzeit UTC vor. Das „Z" steht für „Zulu-Zeit" und ist ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal, bevor du eine Zeitzonen-Umrechnung mit `convertTimeZone` durchführst.
Kann ich das deutsche Datumsformat auch ohne eigenen Ausdruck erzeugen?
Ja, über das Feature „Daten nach Beispielen formatieren" im Ausdrucks-Menü. Du gibst ein Beispiel des Ausgangswerts und ein Beispiel des gewünschten Ergebnisses an, Power Automate schlägt dann automatisch den passenden `formatDateTime`-Ausdruck vor.
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